Wer seine Autorität erklären muss - der hat keine!

Peinlich!

Da sitze ich in einem Meeting und ein Teilnehmer fühlt sich genötigt zu sagen: "Ich bin hier der Leiter - das haben wohl ein paar Leute vergessen! Deshalb steht es mir zu, das hier zu entscheiden und niemand anderem!"

In diesem Moment erlischt die wahre Autorität. Wer anderen erklären muss, dass und warum er führt - hat bereits verloren.

Menschen folgen Menschen

Menschen werden niemals Titeln freiwillig folgen. Und wir können Organigramme malen wie wir wollen. Wenn die natürlich Autorität nicht vorhanden ist - werden Menschen nur durch großen Zwang und Druck folgen - niemals jedoch freiwillig.

Titel werden maßlos überbewertet. An meiner Tür steht seit vielen Jahren "Elektriker" (siehe meinen Blogbeitrag dazu). Es könnte auch korrekt "Geschäftsführer" dran stehen. Das würde nichts ändern.

Wenn meine natürliche Autorität zur Führung von Lattoflex in Frage gestellt wird - rettet mich auch kein Titel.

Nur Druck und Macht sind in der Lage dann noch Gefolgschaft zu erzeugen. Aber der Preis ist hoch dafür: innere Kündigung und Dienst nach Vorschrift sind nur zwei der Nachteile, wenn ich fehlende Autorität durch Machtspiele kompensieren muss.

Katrin wer?

Die Grünen wollen mit Katrin Göring-Eckardt in den Wahlkampf 2017 ziehen. Vorausgegangen ist eine der wohl peinlichsten Mitgliederbefragungen in der Geschichte unseres Landes. Insgesamt gingen 4 Kandidaten ins Rennen - und die Mitglieder der Grünen durften entscheiden, wer ihre Partei als Spitzenkandidaten in die Bundestagswahl führen soll.

Nun kann man über Mitgliederbefagungen lange diskutieren - ich würde jeder Partei davon abraten, da die eigenen Mitglieder ja eh die eigene Partei wählen werden - ich würde da ja eher mal die Menschen fragen die noch keine Fans sind. Diese Nicht-Fans will man ja gewinnen. Und man kann über dieses gekrampfte "Doppelspitzentheater" auch unterschiedlicher Meinung sein. Ich halte nichts davon - denn es zersplittert immer die kommunikative Energie.

Katastrophal war jedoch, dass Frau Göring-Eckardt schon vorher gesetzt war - egal wie viele Stimmen sie bekommt. Weil sie die einzige Frau war in der Gruppe der Kandidaten und damit gendermäßig alles korrekt läuft - war sie so oder so die Spitzenkandidatin der Partei. Zum Glück bin ich kein Mitglied dieser Partei. Ich hätte mich gefragt, ob man mich auf den Arm nehmen wollte.

Jetzt haben wir Doppelspitze mit einer Kandidatin, die von außen die Autorität verliehen bekam, den Job zu machen. Und zwar einzig aufgrund ihres Geschlechtes.

Frage: Wie stark ist so eine Position? Mit welcher Autorität kann ich um Wähler werben? Zusammen mit der Doppelspitze eine schwere Bürde im Wahlkampf der Grünen.

Was nicht bedeutet, dass ich Frau Göring-Eckardt ihre Kompetenzen absprechen will. Vielleicht ist sie sogar klug und hat gute Idee für ihre Partei. Aber Autorität von außen verliehen ist immer eine Bürde.

Von innen nach außen

Wahrhaftige Führung wächst von innen nach außen. Kein Schreibtischstuhl mit hoher Lehne, kein Maßanzug und erst recht kein Titel kann diesen Prozess ersetzen.

Es beginnt mit der Entscheidung und dem Willen zu entscheiden bis zum effektiven Handeln (siehe meinen Blogbeitrag über das Dreieck der Führung).

Autorität entsteht so aus dem Menschen selbst heraus.

Wenn wir jedoch uns hinstellen und anderen erklären müssen warum wir hier die Autorität haben - ist diese bereits verschwunden.

Wer mit seinem Titel prahlen muss - hat vielleicht einen schönen Titel. Ist aber eine schwache Führungskraft.

FührungBoris Thomas