Von der Stärke der Schwäche und unserer eigenen Sichtbarkeit

Jenseits der Schutzwälle

Ich bin ja echt überwältigt über die Reaktionen auf meinen letzten Blogartikel "Manchmal fühlt man sich als gerupftes Hühnchen" Echt! Wahnsinn! Danke euch allen dafür von Herzen.

Gerade aus meinem Team gab es spontane Anrufe und tiefe Gespräche über Sein und Schein.

Und der Tenor war bei allen: mit der Wahrheit leben ist einfacher - auch wenn sie gerade nicht toll ist.

Ich glaube und fühle, dass wir alle müde sind der großen Show. Der "Ich weiß immer wie es geht" - Nummer.

Laufsteg Internet

Die sozialen Dienste ähnlich immer mehr einem Wettbewerb "Wer ist der coolste, tollste und schönste im ganzen Land?"

Ich weiß nicht, wem es ähnlich geht - aber wenn ich einmal Facebook oder Instagram durchscrolle, denke ich am Ende:

"Boris, du bist der einzige Vollidiot, der nicht suuuper gut drauf ist und der nicht weiß wie es geht und der gerade eine fette (leckere) Apfeltasche gegessen hat - statt ultragesunder, veganer Superfood-Kost! Außerdem schaue ich raus in den Regen von Bremervörde und tummel mich nicht am Strand der Karibik! Was läuft nur falsch in deinem Leben, Herr Thomas!"

Das Internet wird immer mehr zum Tschakka-Taschakka-Seminar. Überall Menschen, die glückstrahlend ihr Ding machen, immer gut drauf sind und an den coolsten Orten der Welt wohnen.

Um es klarzustellen: Ich liebe das Internet! Es ist echt toll. Und ich liebe all diese tollen Dienste von Whatsapp bis Instagram. Und ich finde es super cool, wenn Menschen ihren Weg gehen und sich all die tollen Sachen auf diesem Planeten anschauen. Die Welt und die Menschen auf ihr sind echt toll!

Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es oft zu einer Ego-Maschine wird, die nichts mehr mit dem echten Leben zu tun hat.

Leuchten und Glänzen

Auf dem Seminar kürzlich im Hotel Deichgraf gab es die Idee vom "Leuchten und Glänzen". Daran muss ich dabei oft denken.

Glänzen ist leicht. Einfach an der Oberfläche fremdes Licht abprallen lassen. Scheinwerfer an und den nächsten Post raushauen. Oder die Bühne rocken mit fremden Ideen und Gedanken - die eben cool sind.

Leuchten kommt von innen und ist echt. Da sieht man den Menschen scheinen. Und manchmal flackert das Licht - mal ist es strahlend. Mal ziehen Wolken an dem Licht vorbei. Aber wir sehen es immer.

Und wenn wir ehrlich sind, so haben wir fiese, heftige Sehnsucht nach echtem Leuchten - und weniger Glänzen.

Da spüre ich in allen - und gerade in den Gesprächen der letzten 2 Tagen über meinen Blogbeitrag - diese Traurigkeit unter dieser Sehnsucht, dass Leben möge wieder echter sein. Weniger korrekt und perfekt.

Und das bedeutet eben zu sehen, dass es eine wilde Achterbahnfahrt ist. Das ist eben Leben - alles andere ist ein Film oder ein Schauspiel oder ein Post auf Instagram.

Haben wir den Mut, hier wieder den Schritt zu wagen und das Leuchten sichtbar zu machen?

Sichtbarkeit

Denn genau darum geht es am Ende: Statt mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, sich selbst mit neuem Mut der Welt zu zeigen.

Ich weiß, dass kaum ein Thema so tief geht wie die eigene "Sichtbarkeit". Sind wir es wert gesehen zu werden? Darf man das? Und dann, wenn dann alle über einen Lachen?

Man muss ja nur mal jemanden auf die Bühne bitte für einen Vortrag - und schon schlottern die Knie! Hilfe - man sieht uns!

Hier nochmal Auszüge aus meinem Lieblingszitat von Marianne Williamson - weil es hier so schön passend ist:

Unsere größte Angst ist nicht, unzulänglich zu sein. Unsere größte Angst ist, grenzenlos mächtig zu sein. Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, ängstigt uns am meisten.

(...)

Es dient der Welt nicht, wenn du Dich klein machst. Sich klein zu machen, nur damit sich andere um Dich herum nicht unsicher fühlen, hat nichts Erleuchtetes.

(...)

Und wenn wir unser Licht scheinen lassen, geben wir damit unbewußt anderen die Erlaubnis, es auch zu tun. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch die anderen.

Ja, das Leben ist manchmal echt neben der Spur. Hält sich null an unsere genialen Pläne. Enttäuscht uns. Lässt uns Niederlagen erleiden, dann wenn wir es am wenigsten erwarten. Und es hält unendliche Schönheit für uns bereit. Spannende Menschen. Tolle Gespräche. Inspirierende Gedanken.

Wenn wir den Mut aufbringen, all diese Facetten des Lebens und eben uns selbst zu zeigen, wird dieser Planet wahrhaftig zu einem besseren Ort für uns und unsere Kinder.

Mögen wir alle den Mut haben mehr zu leuchten!

 

FührungBoris Thomas