Vergebung - ein Akt der Befreiung für sich selbst!

Das Mysterium Vergebung

Ich habe in den letzten Wochen intensiv über Vergebung nachgedacht. Und was da für uns Menschen dahinter steckt.

Dazu hatte ich zahlreiche Gelegenheiten. Es gab unzählige Enttäuschungen. Situationen, wo Menschen sich doof verhalten haben. Wo mich Leute echt wütend gemacht haben.

Und auch bei uns im Team gab es viele kleine und große Reibereien. Es gab Wut und Enttäuschung. Missverständnisse. Da brauchte einer den anderen auf die Palme. Mal war jemand zu schnell und mal zu langsam. Und schon liegen die Nerven blank.

Auch privat in unserer Familie als auch im Freundeskreis war es ein wildes Jahr. Es gab unnötigen Streit und man schimpfte aufeinander. Oft sagte man: nie wieder mit dem oder mit der! Der kann mich mal. Was der getan hat ist unverzeihlich!

All das ist verständlich. Sehr verständlich und menschlich.

Warum ist es schwer zu vergeben?

Dies hat mich dazu gebracht über das Thema der "Vergebung" intensiv nachzudenken. Ein spannendes Thema. Denn wenn wir nicht vergeben, werden wir kaum eine Chance haben, mit der Vergangenheit abzuschließen. Ein Teil "von uns" ist niemals hier und jetzt. Sondern hält sich an lange vergangenen Zeiten fest.

Natürlich wollen wir, dass anerkannt  und gesehen wird, was uns geschehen ist.

"Seht her - mir ist Unrecht passiert!"

Und wir wollen, dass der anderer, der uns Unrecht getan hat, dafür büßt oder es ihm mindestens schlecht gehen soll. Das wäre doch wenigstens das Mindeste.

Und bevor wir ihm vergeben können - muss er sich würdig erweisen. Und in den Staub sinken vor uns. Und uns um Vergebung anbetteln. Vielleicht wenn wir dann gnädig sind, können wir eventuell mal drüber nachdenken, zu verzeihen. Eventuell.

Das Gift der Rache

"Rache ist, wenn wir Gift trinken und hoffen der andere Möge sterben!" eine schöne Weisheit, welche ich einmal vor vielen Jahren auf einem Seminar mitgenommen habe.

Und sie ist wahr. Ob es dem anderen nun schlecht geht oder nicht - erst einmal ist es unser Leben, unsere Freude und unsere Zukunft, welche belastet wird.

Das sollten wir ganz egoistisch so anschauen. Wenn wir nicht vergeben, belastet wird erstmal nur unser Leben. Es ist am Ende unsere Wahl, ob wir bereit sind den Preis zu zahlen.

Um es deutlich zu sagen:

Manchmal zeigen Menschen ein Verhalten und machen Fehler, die wahrlich nicht schön sind. Das soll hier gar nicht klein geschrieben werden. Ich will einfach einmal den Aspekt beleuchten, was es mit uns macht, wenn wir an dem alten "Kram" so lange festhalten.

Das Gute an der Vergangenheit

Das tolle an der Vergangenheit ist ja, dass sie vergangen ist.

Und das ist eine echt gute Botschaft. Und alles was uns aus der Vergangenheit noch belastet, steht unserer Zukunft im Weg. Weil wir niemals mit aller Energie nach vorne gehen können. Wie ein Anker hält es uns fest. Egal wie bewusst es uns ist. Da ist dieser alte Groll. Diese nicht abgeschlossene Kapitel.

So gab es in meinem Team kürzlich einen Betrugsfall. Und alle waren über den Vertrauensmißbrauch geschockt. Dies war ein Bruch unsere Werte und Kultur. Ich habe damals mein Team zusammen geholt. Und offen darüber gesprochen.

Für mich war aber klar: wir dürfen nicht zulassen, dass dieses Ereignis unsere Gegenwart nur eine Sekunde belastet. Das wir unser Verhalten ändern und zum Beispiel mehr Misstrauen hegen. Es gab für mich nur eine Wahl: Vergebung. Es ist passiert. Lasst uns einmal richtig darüber ärgern - und gut ist. Und weiter. Es ist vorbei. Und gut.

Hawaii und Vergebung

Die stärkste und radikalste Form der Vergebung ist für mich das legendäre Hoʻoponopono - das hawaiische Vergebungsritual. Die wirkungsvollste Version ist diese:

1. Es tut mir leid 2. Bitte verzeih mir 3. Ich liebe dich 4. Danke

Man sagt dabei zu der anderen Person - im Geiste oder direkt - diese Worte. Und lässt alle Wut und allen Groll los mit jedem Satz.

Es ist sehr radikal - weil wir es sind, die um Verzeihung bitte. Weil wir so lange am Altem festgehalten haben.

Tony Robbins liebt und schätzt dieses Hoʻoponopono ebenso. Er hat seine Vergebungsübungen auf seinen Seminaren verkürzt auf:

Ich liebe dich! Danke!

Was mir daran gefällt ist, dass diese Formel radikal bei mir anfängt und klar stellt: es ist deine Wahl! Und es ist dein Leben!

Du hast es in der Hand weiter zu leiden - oder alles Alte los zu lassen.

(P.S. Gerade vor ein paar Tagen bin ich wieder von einem wertvollen und lieben Menschen mit der Nase auf das Hoʻoponopono gestoßen worden - Danke dafür!)

Akt der Befreiung

Vergebung ist für mich ein Akt der Befreiung für mich selbst. Es ist eine "egoistischer" Tat. Es ist mein Leben und ich will entscheiden, womit ich es belaste.

Niemand muss sich Vergebung verdienen. Es ist mir egal ob andere merkwürdige Dinge tun, die vielleicht nicht ganz in Ordnung sind (für mich). Ich muss ja nicht in meinem Leben zum Glück damit klar kommen. Mir reichen meine Fehler - und die gibt es zahlreich - völlig aus. Die Fehler von anderen muss ich nicht noch zusätzlich mit mir rumschleppen.

Ich weiß, dass dies vielleicht ungewöhnlich ist. Aber es ist es wert einmal darüber nachzusinnen finde ich. Deshalb habe ich meine Gedanken hier offen einmal aufgeschrieben.

Was ist der Preis von Rache und Festhalten an der Vergangenheit? Ist es das wert?

Die Zukunft braucht unsere ganze Kraft und Liebe. Befreien wir sie - und lassen den alten Kram los!

Vergebung ist ein Akt der Befreiung von uns selbst. Deshalb sollten wir diesen Schritt für uns selbst tun.

P.S. Für mich das beste und wahrste Buch über Vergebung ist - wer hier tiefer einsteigen möchte:

Der Weg der Vergebung von Michael Dawson

Leider nur noch gebraucht auf Deutsch zu bekommen - aber es lohnt das Lesen wenn man Lust hat sich näher mit Vergebung auseinander zu setzen.

 

FührungBoris Thomas