Vergangenheit, Wertschätzung und Vergebung - 5 konkrete Tipps für eine bessere Zukunft

Was wären wir ohne unsere Geschichte?

In der letzten Woche bin ich auf verschiedenen Ebenen mit dem Thema Vergangenheit und Vergebung zusammen gestoßen. Und ich habe oft und viel in den letzten Tagen über all diese Aspekte nachgedacht, welche da mitschwingen.

Es geht um das los lassen des Alten und des Vergangenen. Aber eben "in gut" und voller Wertschätzung. Alles war gut für irgendetwas.

Oft stürme ich los hier in der Firma, liebe das neue, bin berauscht von dem was da in Zukunft sein könnte - und vergesse dabei, das Alte zu würdigen.

Umgekehrt halte ich oft an dem Alten fest. Will das es bleibt. Stehe mit beiden Beine fest erstarrt und weigere mich nur einen Millimeter nach vorne zu gehen.

Beides kenne ich bei mir.

Wertschätzen - dem Gewesenen einen guten Platz geben

Zuoft - privat oder in der Firma - rennen wir nach vorne. Wollen das Neue und die Aufregung des Unbekannten. Und wollen nur noch weg vom "Alten".

Wie ein Gummiband hält uns dann aber die Vergangenheit fest. Oder Menschen in unserer Umgebung fangen ein Drama an, weil sie sich nicht und ihren Beitrag wertgeschätzt und gesehen fühlen.

Ich versuche dann immer dem Vergangenen in mir einen guten Platz zu geben. Mit Wut und Abscheu gelingt das jedoch nicht.

Dazu braucht es den ganzen Mut den wir in uns tragen. Aber es lohnt sich - denn es wird uns befreien und öffnen für etwas Neues.

Und ich glaube diese Wertschätzung dessen was war, ist der erste große Schritt für wahre Vergebung.

Vergebung - um uns selbst zu befreien

Über Vergebung herrschen sehr viele Missverständnisse. Ist der andere, der uns unrecht getan hat, eigentlich unserer Vergebung würdig? Was wenn wir uns entschuldigen - der andere aber nicht?

Ich habe oft und gerade in den letzten Wochen zusammen mit der Wertschätzung der Vergangenheit neu auf "Vergebung" geschaut. Worum geht es dabei eigentlich?

Für mich wird immer klarer, dass Vergebung ein Akt für mich selbst ist. Für meine Befreiung. Um mich zu befreien von dem was war und offen zu sein für das wird kommt.

Wenn man so darauf schaut, ist Vergebung unabhängig von dem was der andere tut. Ob er sich einer meiner Vergebung als würdig erweist, ist dabei nicht mehr die Frage. Es ist ja sein Leben - und der andere muss mit seinem Leben "leben".

Offen ins Neue

Wenn wir nach vorne rennen, wenn wir das Alte verdammen und verfluchen und nur noch weg wollen, wenn wir so tun als ob das Alte uns nicht mehr kümmert - wir ihm aber keinen guten Platz gegeben haben - dann sind wir nicht völlig frei.

Da wird immer etwas "daran kleben". Ich kenne Menschen, die jahrelang durch die Gegend reisen - auf der Flucht vor dem was war. Ohne aber jemals wirklich frei zu sein.

Freiheit heisst für mich sich frei entscheiden zu können, ob ich weiter gehe oder bleibe. Wenn es fesselt ist es keine Freiheit - und eben solange da etwas "klebt" und keinen wertschätzenden Platz in uns hat, wird es unser Vorangehen belasten.

Konkrete Tipps

Hier ein paar Gedanken und Anregungen für das konkrete Handeln:

  1. Schätze wert was gewesen ist - auch offen und klar in deinem Team - bevor du in etwas Neues startest. Da habe ich oft Fehler gemacht und war dann überrascht, wenn Menschen sauer waren und das Gefühl bekamen, sie haben in der Vergangenheit alles falsch gemacht. Danke an Sebastian Schmidt, Hoteldirektor vom
    Upstalsboom Hotel Deichgraf, für diese wertvolle Anregung und Inspiration. Die Vergangenheit muss klar und offen kommuniziert einen guten Platz bekommen.
  2. Wenn du zurück schaust, dann sehe das ganze Bild. Wofür war die Vergangenheit gut? Was hast du daraus gelernt? Was war die Chance die in der Vergangenheit liegt? Unser Problem ist immer, dass wir nur einen Teil sehen wollen. Und nie den Mut haben alles zu erkennen.
  3. "Ist es wirklich wahr? Können wir wirklich sicher sein, dass es wahr ist?" - dies die ersten beiden Fragen von Byron Katies "The Work". Und schon da geraten unsere Gedanken über die Vergangenheit ins Schleudern.
  4. Vergebe um dich selbst zu befreien - und schaue nicht ob der andere deiner Vergebung würdig ist. Die einzige Frage ist: Bist du dir selbst der Vergebung würdig?
  5. Nehme dich nicht so wichtig und ernst. Das Leben ist zwar wild - aber es seinen eigenen Humor. Wir überschätzen das was jetzt ist und was war gnadenlos. Und unterschätzen was wir tun können in der Zukunft.

Die letzte Woche war schon wild und ungemütlich. Und mein Ego sagt mir, dass es keine gute Woche war. Aber wenn ich richtig hinschaue, war sie es doch. Ich durfte neu über Wertschätzung nachdenken und konnte tiefere Erkenntnisse bekommen über das Wesen der Befreiung durch Vergebung.

Die Vergangenheit ist vergangen. Das Jetzt ist das was ist. Und die Zukunft ein Meer der unendlichen Möglichkeiten. Schätze wert was war und freue dich auf das was kommt.

 

 

 

FührungBoris Thomas