Unternehmen haben keine Kultur - Unternehmen sind die Kultur! Vom Unsinn der "Kulturentwicklung" - und wie es wirklich geht!

"Wir brauchen eine neue Firmenkultur!"

In den letzten Wochen habe ich oft über den Begriff der Kultur in Firmen nachgedacht. Was ist das eigentlich? Und wie entsteht sie?
Oft werden dann externe Berater und Agenturen beauftragt mal das Wertesystem und damit eben die Kultur eines Unternehmens zu definieren.
Man schließt sich dann an langen Meetings ein - und schreibt Wunschlisten auf Flipcharts.
Wie wir miteinander umgehen wollen?
Was sind unsere Werte?
Aber meine Lebenserfahrung sagt mir:
Das kann man gerne mal machen und ist bestimmt nicht falsch sich mal bewusst zu machen was da in einer Gruppe und einer Firma "tickt". Am Ende werden Worte auf Hochglanz gedruckt die Kultur weder prägen noch ändern.
Wie "macht" man also Firmenkultur?

It's Partytime

Einer der irrigsten Annahmen über Kultur ist die Formel "Viel Spaß = viel Kultur".
Also fette Firmenfeiern und immer gute Laune. Nun ist ja nichts gegen ein gutes Firmenfest einzuwenden - aber meine Erfahrung ist:
Wenn man morgens nach der Feier die Firma betritt und es ist "wie immer" - kann man sich die Feier als kulturprägendes Element auch schenken.
Die ganze "Motivationsindustrie" lebt von diesem Irrglauben, dass Besuche im Kletterpark und gemeinsamen Abseilen die Kultur prägen würden.
Und es ist eine bequeme Illusion. Bequem deshalb weil dann Kultur "gemacht" wird und ich als Führungsmensch mich nicht einbringen muss.

Projekt Kickertische

Da ja in jedem ordentlichen Start-Up Kickertische stehe, fangen jetzt auch "normale" Unternehmen an, Kicker aufzustellen - und glauben damit würde man die Kultur des Unternehmens auf Innovativ und Kreativ ändern.
Hier können wir genauso festhalten:
Die Büroeinrichtung retten uns auch nicht die Kultur!

Die Krise ist der Schlüssel

Der Schlüssel zur Kultur des Unternehmens ist die Krise.
Weihnachtsmann spielen kann jeder. Geschenke und Lob verteilen.
Aber wie verhalte ich mich in der Krise?
Wie gehe ich mit Druck um?
Was tue ich konkret, wenn etwas richtig schief gegangen ist?
Hier entscheidet sich die Kultur einer Firma.
In der Geschichte werden die Krisen und wie das Unternehmen sie gemeistert hat, zu den kulturbestimmenden Meilensteinen.

Umgang mit Fehlern

Wie gehe ich also mit Fehlern um? Darüber sollten sich Führungskräfte mehr Gedanken machen als über die nächste Feier nachzudenken.
Denn hier liegt wahrlich der Schlüssel zur Kultur eines Unternehmens.

Auf die Krise vorbereiten

Deshalb sollten sich Führungskräfte gründlich auf den Krisenfall vorbereiten. Nur wie macht man das?

Zum einen braucht man Erfahrung. Erfahrung mit konkreten Krisen. Man muss erlebt haben, dass man eine Krise überleben kann.

Und man muss auch mal schmerzhaft erlebt haben, wenn man in einer Krise falsch reagiert hat.

Nach meiner Erfahrung können auch Meditation und Entspannungstechniken helfen. Das bewusste da-sein. Und immer schön atmen und erst dann reagieren.

Wenn ich eine Expedition zum Nordpol plane, da bereite ich mich ja nicht auf den Erfolgsfall vor - also welchen Sekt trinke ich wenn ich dort ankomme am Nordpol.

Sondern ich spiele gedanklich mal alles durch was schief gehen könnte. Und bereite mich darauf vor. Um im Krisenfall richtig zu Reagieren.

Einstellung geht vor erlernter Befähigung

Deshalb weise ich auch immer wieder darauf hin, dass die Einstellung eines Menschen wichtiger ist für die Kultur eines Unternehmens, wie seine bisherigen Schulabschlüsse.

Einstellung heißt für mich: Wie schaue ich auf Menschen? Wie sehe ich sie?

Und: Bin ich bereit in der Krise erstmal bei mir anzufangen - statt den Fehler beim anderen zu sehen?

Eigenverantwortlichkeit ist eine der Kernelemente um gut durch eine Krise zu kommen - ohne die Kultur zu beschädigen.

Zusammenfassung - worauf sollte man achten?

  • Unternehmen können keine "Kultur" machen oder von außen sich einkaufen. Unternehmen sind die Kultur. So wie sie arbeiten - exakt das ist die Kultur. Alles andere ist nur bedrucktes Papier.
  • Die Krise ist wichtiger für die Definition der Kultur als die Party. Wie verhalten sich Führungskräfte wenn es kracht - das ist die einzige Frage, die man sich stellen sollte, wenn man die Unternehmenskultur analysieren möchte.
  • Wurzeln geben halt und Ausrichtung. Erinnere dich - und dein Team - an deine Wurzeln. An gemeinsam durchgestandene Krisen. Und Erfolge. Das schafft Vertrauen und baut eine starke Kultur auf, die so leicht nicht zu kippen ist.
  • Vision gibt Ausrichtung. Menschen wollen einen Sinn haben in dem was sie tun. Etwas was größer ist als sie selbst. Und wenn es dann mal kracht - hilft ein leuchtender Stern in der Zukunft alle wieder schnell auszurichten.

Die Mission - wofür sind wir da?

Neben Krisenbewältigung und den Wurzeln ist es doch immer die gemeinsame Vision mit der das Zusammensein der Menschen in einem Unternehmen geprägt wird.

Bei uns ist es in der Thomas Holding:

"Das Unmögliche möglich machen - um die Welt zu einem besseren Platz zu machen!"

Oder bei Lattoflex:

"Eine Welt ohne Rückenschmerzen!"

Und wenn wir schwierige Entscheidungen zu fällen haben, hilft es sehr sich daran zu erinnern.

Kultur ist das was wir sind.

FührungBoris Thomas