Mist! Schon wieder ist es mir passiert! Warum wir eine Krise nie sehen wollen!

Da ist es mir schon wieder passiert!

Mal wieder bin ich in eine Krise geschlittert - und wenn ich mich ehrlich umschauen, muss ich erkennen, dass ich sie am Beginn nicht sehen wollte.

Alle Zeichen waren deutlich zu sehen - wenn man sich jetzt umdreht und zurück blickt.

Und nun beschäftige ich mich sehr vielen Jahren gerade mit dem Thema Krise, der Bedeutung einer Krise für die Firmenkultur und werde eingeladen darüber Vorträge zu halten.

Warum zum Teufel fällt es uns Menschen nur so schwer rechtzeitig und ehrlich eine Krise zu erkennen?

Plötzlich und unerwartet

Gerne reden uns gerne ein, dass die Krise so unerwartet einfach da war. Aber das ist eine Lüge.

Dr. Spitzbart sagte mal auf einem Vortrag über Herzinfarkte, dass es eine fette Lüge ist, wenn Patienten ihm erzählen wollen, dass der Infarkt ohne Vorwarnung einfach da war. Es gibt immer Zeichen - die man aber nicht sehen will.

Genau so ist es in Beziehungskrisen, wenn ein Mitarbeiter kündigt oder bei Wirtschaftskrisen.

Super schlau sind wir immer hinterher!

Hinterher sind wir so was von schlau. Ob es um die richtige Taktik der Polizei bei den G20-Krawallen geht oder um die richtige Aufstellung der Mannschaft im Fussball-WM-Finale.

Wenn es schief gegangen ist, wissen wir alle, dass man schon viel früher hätte reagieren müssen und was genau die richtige Strategie gewesen wäre.

Aber warum fällt es uns nur so schwer, die ersten Zeichen richtig zu sehen und zu deuten?

Phasen der Krise

Die schweizerisch-amerikanische Psychiaterin Kübler-Ross  hat mit Hunderten von Sterbenden gesprochen und 5 Phasen ausgemacht, wie Menschen auf das Sterben - die ultimative "Krise" in unserem Leben - reagieren.

Diese 5 Phasen kann man wunderbar auch auf unsere kleinen Krisen anwenden. Sie sind:

Erste Phase: Nicht-Wahrhaben-Wollen

Zweite Phase: Zorn

Dritte Phase: Verhandeln

Vierte Phase: Depression

Fünfte Phase: Akzeptanz

Nicht - Wahrhaben - Wollen

Es darf nicht sein, was nicht sein darf.

"Ach das wird schon wieder!"

"So schlimm ist das auch nicht!"

Neulich fragte mich nach einem Vortrag ein Teilnehmer, wie wir unsere Sinne schärfen können - um Krisen schneller zu erkennen. Und ehrlich - ich weiß es auch nicht.

Wobei es nicht darum geht, die Zeichen zu sehen. Wir sehen sie. Eindeutig.

Es geht mehr darum, die Konsequenzen auch ungefiltert und ehrlich zuzulassen.

Nehmen wir so etwas wie die Digitalisierung. In dem aktuellen Wahlduell zwischen Merkel und Schulz tauchte dieses Wort nur einmal im Schlusswort auf. Dabei wird es unsere Zukunft und die Art wie wir leben und arbeiten wie kein anderer Trend bewegen.

Oder in den Firmen. Da sehen wir täglich wie Amazon und Google ganze Industrien umwälzen und verändern. Da sehen wir wie alte Giganten wie Kodak verschwinden und Branchen wie der Schuhhandel oder die Spielwaren in die Knie gehen. Aber bis all dies zu einer Handlung führt - konkret in den Unternehmen?

Mut zum Sehen

Ich habe sonst immer eine schlaue Idee, wie man es besser machen könnte - hier muss ich passen.

Außer vielleicht seine Sinne schärfen und den Mut haben, wirklich hinzuschauen.

Und alle Filter bewusst wahrnehmen, die sagen "Das wird schon wieder!"

Unser aller Wahn ist ja immer, dass wir immer das selbe tun - aber andere Ergebnisse erwarten. Ein "Weiter so!" ist jedoch in der Krise tödlich.

Und wieder bin ich reingefallen

Ich glaube inzwischen, dass wir echt nicht mehr tun können, als unsere Sinne zu schärfen und bewusst unsere Filter wahrzunehmen, die uns einreden wollen, dass es schon wieder wird.

Und doch wird es uns immer wieder erwischen.

Was aber im Grunde nicht schlimm ist. Denn eine Krise ist ein idealer Ort zum Lernen.

Deshalb sollten wir milde mit uns sein - wenn wir mal wieder erkennen müssen, dass wir alle Warnzeichen genüsslich übersehen haben. Und die nächste Krise uns erwischt. Danke für eine weitere Chance etwas neues zu lernen und zu wachsen.

 

FührungBoris Thomas