Meine Lehren aus "Die dunkelste Stunde" - was ich von Churchill über Führung in rauen Zeiten gelernt habe

Ein bewegender Film an Bord

Ich sitze gerade tief bewegt im Flug nach Shanghai hoch oben irgendwo über der Weite Russlands. Es läuft der Abspann des Film "Die dunkelste Stunde" (hier der Trailer) - über den Weg von Winston Churchill als Premierminister Englands durch die dunklen Stunden der Bedrohung durch das Deutsche Reich.

Ich finde diesen Film grandios. Die beiden Oskars hat er zurecht erhalten - neben 6 Nominierungen. Es ist jedoch auch ein wundervoller Film über Führung - speziell Führung in rauen und stürmischen Zeiten.

Hier meine 7 Lehren, die ich aus dem Film und dem Handeln von Churchill gelernt habe:

1. Führer sind nur Menschen und haben deshalb menschliche Schwächen

Immer wieder verfallen wir in den großen Irrtum und projizieren unsere Wunschbilder auf vermeintliche Anführer. Dabei sind auch die größten Führer der Menschheitsgeschichte wie Gandi, Steve Jobs oder eben Churchill am Ende "nur" Menschen.

Sie machen Fehler und sind nicht perfekt.

Steve Jobs weigerte sich jahrelang den Unterhalt seiner uneheligen Tochter zu zahlen. Er hat jedoch wunderbar Apple vor dem Konkurs bewahrt und wieder ganz nach vorne gebracht. Beides ist wahr.

Churchill hat ein wildes Leben geführt, viel Zigarren geraucht und sicherlich täglich zuviel getrunken (und zwar kein Wasser!). Aber er hat es vollbracht, sein verängstigstes Volk sicher durch eine dunkle Zeit zu führen. Dafür verdient er Respekt und Anerkennung - aber wir müssen ihn nicht zu einem Heiligen machen. Niemand ist heilig - oder besser: wir alle sind es im Grunde.

2. Erfolg währt nicht ewig und Niederlagen sind nie final

"Success is not final, failure is not fatal: it is the courage to continue that counts!"

"Erfolg ist nicht ewig, Niederlagen sind nicht final: es ist der Mut, weiter zu machen, der zählt!"

Dieses inzwischen legendäre Zitat von Winston Churchill bringt es auf den Punkt. Erfolg verführt uns zu der Illusion, dass wir es im Griff haben und es immer so weiter geht. Und umgekehrt liegen wir in der Krise danieder und glauben, dass es kein Morgen geben wird. Und beide Ansichten sind falsch. Churchill wusste das - egal was auch immer passiert - es wird einen neuen Morgen geben. Keine Krise dauert ewig. Daran sollten sich kluge Führer immer erinnern. Es verhindert auch, dass man sich in hektischem Aktionismus verliert.

3. Gegner zu haben ist ein gutes Zeichen

"You have enemies? Good. That means you’ve stood up for something, sometime in your life." Winston Churchill

"Du hast Feinde? Gut. Das bedeutet, dass du in deinem Leben für etwas aufgestanden bist."

Nur wenn man einen klaren Standpunkt vertritt und klare Entscheidungen fällt, wird man angreifbar. Nur dann kann uns jemand anderes "orten", weiß wo wir stehen und kann ebenso klar stellen, dass sein Standpunkt ein anderer ist.

Als Churchill klar machte, dass es nicht willens ist, aufzugeben und mit Hitler Waffenstillstandsverhandlungen zu führen, war diese Position nicht unumstritten. Er wurde heftig auch aus seiner eigenen Partei und den Medien dafür angegriffen. Aber er wusste, dass es immer darauf ankommt für seine Sache ein zu stehen. Und das Angriffe ein gutes Zeichen sind, dass der eigene Standpunkt klar ist.

Führung, die für nichts steht, braucht kein Mensch. Führung, die klare Standpunkte hat, schenkt diese Klarheit auch dem Team. Selbst wenn sie dafür angegriffen wird.

4. Optimismus und Humor behalten - auch wenn die Erde bebt

Lady Astor: "Winston, wenn ich deine Frau wäre, würde ich Gift in deinen Kaffee tun!"

Winston Churchill: "Nancy, wenn ich deine Ehemann wäre, würde ich den Kaffee trinken!"

Churchill war jemand, der immer in der Lage war eine Lage zu entschärfen, weil er einen guten Sinn für Humor hatte. Gute Führung bedeutet auch zu wissen, dass Optimismus und Humor wichtige Elemente sind, um Menschen durch ein dunkles Tal zu führen. Ein Problem wird nicht durch zuviel Ernsthaftigkeit und Verbissenheit schneller gelöst - als mit einem Lächeln. Und meine Erfahrung ist, dass es immer etwas zum Lächeln gibt - auch in den schwersten Zeiten.

5. Instinkt ist stärker als Intellekt

Churchill hat nie eine Universität besucht und ist als Schüler mehrfach sitzen geblieben. Er hatte jedoch einen scharfen Verstand und einen ausgezeichneten Instinkt, was das richtige ist zu tun. Und er hatte ein gutes Bauchgefühl für Menschen - was man schön sehen kann, als er seine Gegner in der Regierungskoalition direkt mit in sein Team holte - statt sie zu verbannen.

6. Mut ist die erste und wichtigste Tugend

Wenn Führung in unruhigen Zeiten eines braucht dann Mut. Es müssen ungemütliche Entscheidungen gefällt werden und vielleicht auch Opfer verlangt werden auf dem Weg durch die Krise. Das ist nicht immer einfach. Oft ist die "Sicht" unklar und man hat Zweifel über den richtigen Weg. Das ganze durchsteht man als Führung nur mit Mut. Und dieser Mut muss sich dann auf das Team übertragen.

Churchill hat in seinen legendären Radioansprachen seinem ganzen Land wieder neuen Mut geschenkt. Und die Menschen geeint in dem Willen der Diktatur zu trotzen - was immer es auch bedeutet.

Wenn es der Führung nicht gelingt in der dunklen Phase einer Krise den Menschen im Team Mut zu machen - wird sie scheitern, egal wie weise sie auch sonst sein mag. Angst greift um sich wie eine ansteckende Krankheit. Mut und Klarheit werden diese Ansteckung verhindern.

7. Erlerne die Redekunst

Wie wäre Churchills Zeit als Premierminister gewesen - ohne seine legendären Ansprachen. Übers Radio an das britische Volk und im Parlament erweckten seine Worte die Menschen wieder zum Leben und schenkten ihnen Kraft. Ich habe viele kluge Menschen kennengelernt. Und die hatten tolle Ideen, was man alles tun könnte. Aber oft hakte es daran, dass sie unfähig waren, diese Ideen an das Team zu übermitteln.

Winston Churchill hat viele gigantisch gute Reden gehalten, welche inzwischen in jedem Standardwerk der Redekunst zu finden sind. So seine inzwischen so genannte Blut, Schweiß und Tränen Rede.

Oder aber seine Rede am 4. Juni 1940:

"Wir werden an den Stränden kämpfen" Ansprache vor dem Unterhaus - hier ein kurzer Auszug:

"Auch wenn große Teile Europas und viele alte und berühmte Staaten gefallen sind oder in den Griff der Gestapo und aller verabscheuungswürdigen Instrumentarien der Naziregierung fallen, werden wir nicht nachlassen oder scheitern. Wir werden bis zum Ende gehen, wir werden in Frankreich kämpfen, wir werden auf den Meeren und Ozeanen kämpfen, wir werden mit wachsendem Vertrauen und wachsender Kraft in der Luft kämpfen, wir werden unsere Insel verteidigen, was auch immer es kostet, wir werden an den Stränden Kämpfen, wir werden auf den Landungsplätzen kämpfen, wir werden auf den Feldern und auf den Straßen kämpfen, wir werden in den Hügeln kämpfen; Wir werden uns nie ergeben. Und selbst wenn, was ich nicht für einen Augenblick glaube, diese Insel oder ein großer Teil davon unterjocht und hungern würde, dann würde unser Königreich jenseits der Ozeane, bewaffnet und von der britischen Flotte bewacht, den Kampf weiterführen, bis in Gottes rechter Zeit, die neue Welt hervortritt mit all ihrer Stärke und Macht zur Rettung und zur Befreiung der Alten Welt. "

Welch Genuss der Redekunst! Alle sprachlichen Mittel der Überzeugung waren dabei. Und diese Rede verfehlte seine Wirkung nicht. Und hat bis heute kaum etwas von ihrer Kraft verloren.

Führung kann man lernen

Auch Churchill ist nicht als "Führer" geboren. Wer will, kann aber Führen lernen. Mut braucht es schon und den bewussten Umgang mit Niederlagen. Eigenverantwortung und das Ablegen von Opferrollen gehört genauso dazu wie die Entschlossenheit zur Not auch gegen Widerstände seinen Weg auch mal alleine zu gehen.

Niemand muss perfekt sein. Ich bin es auch nicht. Ich fluche zu oft und zu viel. Bin chronisch ungeduldig, wenn es nicht schnell genug geht. Manchmal launisch. Und oft sage ich unpassende Dinge und stoße Menschen damit vor den Kopf. Meine Gabe für Details ist komplett unterentwickelt. Mich nerven Bedenken - wenn ich mal wieder nur das große Ganze sehen will. Aber eines ist auch sicher: wenn ich ein Team führen darf, werde ich es bedingungslos tun - und mich mit voller Leidenschaft für den Erfolg einsetzen. Und was immer zu tun ist - das auch zu tun.

Große Führernaturen der Geschichte können uns viel zeigen über die Wahrheit der Führung und den Umgang mit Krisen. Nicht um sie zu kopieren oder auf goldene Sockel zu stellen - wohl aber um Muster zu erkennen, welche hinter erfolgreicher Führung liegen. Und sich selbst Mut machen, wenn man mal wieder allzu menschlich nicht perfekt ist.

 

 

 

FührungBoris Thomas