MEDITATION UND FÜHRUNG – ÜBER DIE KRAFT DER STILLE – TEIL 2

 

Leadership is a choice that lies in the space between stimulus and response."  Stephen R. Covey

(Führung ist die Wahl, welche in dem Raum zwischen Reiz und Reaktion liegt.)

Anstrengung und Zielerreichung

Ein junger Schüler suchte seinen Zen-Meister auf.

„Meister, wie lange wird es dauern, bis ich Erleuchtung erlangt habe?“

„Ich denke so zehn Jahre braucht es schon“, antwortete sein Meister.

„Und wenn ich mich besonders anstrenge und ganz viel meditiere, wie lange dauert es dann ?“, fragte der Schüler.

„Dann kann es schon zwanzig Jahre dauern“, erwiderte der Meister.

„Ich nehme aber wirklich jede Härte auf mich. Ich will so schnell wie möglich ans Ziel gelangen“, beteuerte der Schüler.

„Dann“, sagte der Meister langsam, „kann es bis zu vierzig Jahre dauern.“

Widerstand - das Leben will nicht so wie ich gern will

Wenn das Leben mal nicht so will wie es soll - oder wie wir meinen, dass es soll - dann beißen wir uns schnell fest. Dann werden wir hart und angestrengt. Es fließt nicht mehr - weil es jetzt sein "muss".

Hier kann die Meditation ebenso helfen, uns wieder mit dem Fluss des Lebens in Verbindung zu bringen.

Sie schenkt uns eine Distanz zu den Dingen und Problemen. Denn Gras wächst eben nicht schneller wenn man daran zieht

Muss man nicht handeln und etwas tun?

Das ist für mich eines der schwierigsten Fragen überhaupt: Wann ist es richtig zu handeln? Und wann ist es besser zu schauen und wahrzunehmen und zu verstehen?

Denn beides kenne ich zur Genüge - speziell wenn es falsch ist. Manchmal sitze ich da - und tue nichts - nur um später festzustellen, dass ich hätte handeln sollen. Und manchmal stürze ich mich in Handlungen - und stelle fest, dass es der falsche Moment oder die falsche Handlung war.

Es ist eine Illusion zu glauben, dass sich ohne Handlung etwas ändert. Und er ebenso eine Illusion zu glauben, dass man alle immer und jederzeit erreichen kann, wenn man sich nur genug anstrengt und rennt.

Für mich hilft hier immer der gezielte Rückzug in mich selbst. Meditation oder Selbstreflektion kann man es auch nennen.  Wieder bei mir ankommen. Klarheit in den Kopf bekommen. Und mit hoher Aufmerksamkeit auf die Lage schauen. Und dann aus dieser Kraft zu entscheiden was zu tun ist und was eben nicht.

Wir glauben unseren Gedanken

Das Hauptproblem und die Hauptstressquelle in unseren Leben ist immer wieder:

Wir glauben unseren Gedanken!

Und was denken wir nicht alles für einen Mist wenn der Tag lang ist - und die Nacht ebenso. Spannend ist, dass es kaum neue Gedanken gibt. Seit Jahrtausenden stressen sich Menschen mit dem selben unwahren Kram - glauben tun wir es jedoch eifrig.

"Ich bin nicht genug!"

"Niemand liebt mich!"

"Keiner erkennt mich an!"

"Morgen wird alles schlechter!"

"Mein Chef vertraut mir nicht!"

etc.

Das Problem sind nicht diese Gedanken. Das sind eben Melonen auf einem Fluss (siehe den ersten Teil dieses Beitrags über Meditation).

Das Problem ist, wir fallen unreflektiert darauf herein. Wir nehmen den ganzen "Käse" in unserem Hirn ernst - und finden auch noch viele Belege dafür im Außen dass es absolut wahr sein muss.

Meine Erfahrung ist, dass auch hier es hilfreich ist, genau diese Gedanken zu beobachten und sich zu fragen "Ist es wirklich wahr?" - ganz wie in dem wundervollen "The Work" von Byron Katie.  Und die Melonen treiben zu lassen.

Zusammenfassung

Meditation ist für mich ein unverzichtbarer Teil einer modernen Führung.

Sie hilft in einer wilder, unsicheren Welt neue Klarheit zu bekommen. Und sicher zu stellen, dass wir unser Zentrum nicht verlieren.

Aus einer tiefen, sicheren Klarheit handeln, bedeutet mit dem Tao, dem Lebensfluss zu agieren - und nicht dagegen.

Und hierin liegt für mich das wahre Wert von Meditation.

 

Hier Teil 1 : MEDITATION UND FÜHRUNG – ÜBER DIE KRAFT DER STILLE – TEIL 1

 

FührungBoris Thomas