Lass uns über Angst sprechen! Haben Helden Angst?

Helden haben keine Angst

Wenn wir unseren Helden bei der Weltenrettung zu sehen - und ich liebe Heldenfilme sehr - so haben diese immer einen flotten Spruch auf den Lippen und angesichts der Niederlage und wenn die Bomben einschlagen zucken sie niemals auch nur einen Wimpernschlag. So wollen wir sie. Die echten Weltenretter!

Die Wahrheit ist doch "etwas" ernüchternder.

Ich kann mich nicht erinnern, dass es mal eine große Entscheidung gab, wo ich nicht innerlich geschwankt habe.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je mal ohne Angst gelebt habe. Irgendetwas war immer.

Unsere geliebten Ängste

"Du wirst alles falsch machen und die Welt wird über dich lachen!"

"Niemand mag dich!"

"Ich bin nie und nimmer ausreichend ausgebildet dafür!"

"Das durchschauen alle und dann stehe ich da und alle lachen darüber, dass ich es vermasselt habe!"

"Dafür mich ich zu jung!"

"Dafür bin ich zu alt"

Und so weiter. Und so weiter.

Wer kennt diese inneren Stimmen nicht?!

Oft habe ich mich Nachts gequält in Selbstzweifeln, ob die getroffenen Entscheidungen richtig sind oder großer Mist.

Bin mit weichen Knien in Meetings gegangen.

Und ich kenne niemanden - wenn er ehrlich ist - wo es anders ist. Führung heißt sich damit auseinander zu setzen. Und sich der Angst immer wieder zu stellen.

Ich habe endlose Biografien großer Menschen gelesen. Menschen, welche großes Geleistet haben in ihren Leben - und in keiner Biografie gab es nur einen der großen Führer ohne Angst.

Churchill zweifelte genauso an sich - wie Steve Jobs.

Sichtbarkeit

Solange man in der zweiten Reihe steht - haben wir die selben Ängste - aber wir können es besser tarnen. Es eben leichter auf andere zu zeigen - als es selbst zu tun.

Konnte man schön sehen bei dem G20-Gipfel. Wie viele Menschen plötzlich zu Experten in Polizeiarbeit wurden, ist erstaunlich. So wie zur WM wir plötzlich zu einem Volk der Fussballtrainer werden - die genau wissen was zu tun ist um ein Spiel zu gewinnen.

Die 2. Reihe ist eben schon angenehm.

Aber zurück zu unseren Ängsten.

Wer führt wird sichtbar. Ob in seinem Verein vor Ort oder in der Firma.

Wer sich hinstellt und sagt ich führe jetzt - wird wie auf einem Präsentierteller sichtbar.

Da ist es vorbei mit dem Verstecken.

Und diese Sichtbarkeit potenziert unsere Ängste nochmal um ein Vielfaches. Wie eine Lupe werden alle unsere kleinen, versteckten Gedanken zu Monstern, die in unserem Kopf wüten.

Kompensation

Eine große Kompensation für unsere Angst gibt es:

Kontrolle

Die Kontrolle gibt uns die Illusion von Sicherheit. Sie macht uns scheinbar die Ängste erträglicher. Dabei ist all dies ein Schein. Aber wie ein Droge wollen wir "die Dinge unter Kontrolle" haben - um die Angst weniger zu spüren.

Und tatsächlich kann Kontrolle kurzfristige Erfolge haben. Wenn ich vor einem wichtigen Vortrag meine Folien mit der Fernbedienung immer wieder durchblätter - so gibt mir das Gefühl von "es läuft alles super gut und ohne Probleme".

Langfristig richtet die Kontrolle jedoch schwere Schäden im Vertrauen zwischen Menschen an. Deshalb ist sie kein gutes Mittel gegen die Angst.

Wie sagt es Chuck Spezzano immer so schön: "ConTROLL - the worst troll of all!" (KonTROLLe - der schlimmste Troll von allen)

Unsere zwei Urängste

Nicht geliebt zu sein und nicht zu genügen sind unsere beiden Urängste auf die wir alle Ängste zurück führen können.

Und beide Urängste werden immer größer, je mehr wir in die Sichtbarkeit gehen und anfangen zu scheinen.

Wir können uns dem nicht entziehen. Alles was wir tun können, ist uns zu entscheiden, trotz alle dem weiter zu gehen.

Wollen wir, dass unser Ängste uns abhalten zu scheinen? Wollen wir uns stoppen lassen davon? Und diese fiesen inneren Stimmen uns von unserem Leben der Träume abhalten lassen?

Schritte gegen die Angst

Wir müssen eines festhalten: Die Angst geht nicht weg. Egal wie oft man auf der Bühne gestanden hat - es bliebt aufregend und man ist nervös wenn man die Bühne betritt.

Hier aber ein paar Hilfen, dass die Angst uns nicht lähmt und aufhält:

Atmen nicht vergessen

Atmen hilft. Immer schön weiter atmen. Die Welt dreht sich weiter. Und das Leben geht weiter. Und in ganz stressigen Situationen immer mehr aus- als einatmen und nicht die Luft anhalten.

Ausatmen ist eine wunderbare Entspannungstechnik. Hier ein guter Artikel dazu.

Sich der Angst bewusst sein

Was wir leugnen, wird wachsen. Nicht hinschauen macht das Monster noch größer als es eh schon ist.

Deshalb verlange alle großen Therapien vom Patienten das Eingeständnis, dass da was ist - was gesunden soll.

"Ja, ich bin Alkoholiker" - ist der erste Schritt auf dem Weg der Heilung.

Deshalb wahrnehmen was ist. Ohne Schminke.

Und dann sich frage wo diese Angst im Körper "steckt" - wo man sie fühlt.

Alleine dieses Lokalisieren hilft enorm.

Schlecht ist eindeutig: Positiv denken - das ist eine komplett falsche Idee. Das verdeckt nur das Elend - statt es zu heilen.

Und am Ende bricht es eh wieder durch.

Etwas tun

Aufräumen. Joggen gehen. Aufstehen und was machen. Selbst wenn es sinnlos ist.

All das hilft immer. Man kommt raus aus dem Grübelmodus und der Kopf ist beschäftigt.

Niemals um 4 Uhr morgens handeln und entscheiden

Morgens ist es am schlimmsten. Das hat etwas mit unserem Hirn und den Hormonen zu tun. Da durchläuft unser Hirn immer eine kleine Depression.

Und wir grübeln uns einen "Wolf". Und alles ist schlecht und elend und wird scheitern.

Mittags sieht die Welt dann schon anders aus.

Hier einfach aufstehen und was tun oder die Gedanken aufschreiben. Raus aus dem Karussell im Kopf.

Für andere da sein und ihnen helfen

Angst ist immer auch ein Modus in dem sich alles um uns selbst dreht.

Extrem hilfreich ist zu schauen wo wir anderen Menschen helfen können. Sich mit anderen austauschen ist immer ein guter Weg aus dem Teufelskreis.

Dem Leben vertrauen - es geht immer weiter

Leben passiert für dich - nicht gegen dich. Am Ende wird sich alles fügen und jede Krise kann zu etwas Neuem werden.

Wer weiß schon wofür alles gut ist. Und unsere Ängste kommen uns ein Jahr später schon lächerlich vor.

Sich nicht stoppen lassen

Halte wir fest: Die Angst ist eh immer da - wie ein nerviger Begleiter den man nicht los wird.

Sie ist Teil unseres Mensch seins. Und wer so tut als wäre er Angstfrei - ist in Wahrheit der größte Angsthase überhaupt.

Die Jungs mit der größten Klappe - zittern innerlich vor Angst. Das ist meine ganze Lebenserfahrung.

Deshalb sich dem stellen was ist - aber sich nicht aufhalten lassen.

Wer wartet dass die Angst geht, um dann zu handeln - kann ewig warten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FührungBoris Thomas