Führst du noch Menschen - oder führst du schon Bewusstsein?

Die stille Revolution

Kürzlich war zum dritten Mal bei einer Filmvorführung des Films über den Upstalsboom Weg "Die stille Revolution" in Hamburg. Der Trailer ist hier zu sehen. Ein wunderbarer Film über neue Führung. Und auch in Hamburg wieder mit dabei war Bodo Janssen, der als Unternehmer diesen Prozess in seinem Unternehmen angestoßen hat. Respekt vor dem Mut so einen neuen Weg zu versuchen.

(hier die Seite zum Film - wer ihn auch mal sehen will!) - und hier der Link zu den Tickets in Berlin - falls es noch welche gibt!

Und bei jedem Mal habe ich andere Dinge in dem Film gehört - welche ich zuvor beim Schauen "überhört" habe.

Bei diesem dritten Sehen ist mein Kopf an einem Ausspruch hängen geblieben. Es war eher eine Frage in einem der Interviews;

"Führst du noch Menschen oder schon Bewusstsein?"

Darüber habe ich die Tage nach der Vorführung lange nachgesonnen - und hier meine Gedanken dazu in diesem Blogartikel aufgeschrieben:

Menschen oder Bewusstsein führen

Für mich gibt es eine völlig neue Entwicklung über die letzten Jahre in der Führung. In der Vergangenheit und in den vergangenen Jahrhunderten haben Menschen Menschen geführt.

D.h. es war eine Führung die darauf angelegt war, wie kann ich Menschen effektiv dazu bringen das zu tun was ich gerne möchte.

Eine der Kernelementen dieser Idee von Führung war immer hochgradig manipulativ.

Bestrafung oder Belohnung

Und im Grunde kann diese Führung reduziert werden auf zwei Elemente: Strafe und Belohnung.

Mache was ich möchte und du wirst belohnt. Mache es nicht und du wirst bestraft. Dies gibt es in vielen verschiedenen Facetten. Bonuszahlungen, Belohnungen wie ein neuer Firmenwagen, ein Handy oder sogar einfach nur ein Lob.

Ich glaube jedoch dass es hier eine Änderung gibt und in der Zukunft werden wir mehr und mehr dazu übergehen das Bewusstsein unseres Teams und jedes einzelnen Menschen zu führen.

Bewusstsein

Und das heisst ein völlig anderes Vorgehen in der Führung. Bewusstsein zu führen bedeutet, dass ich mich mit jedem einzelnen Mitarbeiter und seinen Potenzialen, seinen Wünschen, seiner Vergangenheit, seinen Emotionen und seinen Zielen auseinander setzen muss.

Es erfordert von der Führungskraft eindeutig das einbringen seines eigenen Bewusstseins in diesen Prozess. Wer führt ist nicht mehr getrennt von dem Vorgang der Führung. Es gibt kein Objekt und kein Subjekt mehr - sondern eher ein gemeinsames Feld, welches jeden einzelnen als Individuum fordert.

Konnte ich in der Vergangenheit mich sehr neutral und eher sachlich mit dem Thema der Führung auseinandersetzen, so muss ich mich heute als Mensch voll einbringen und öffnen.

Denn nur dann bin ich in der Lage Bewusstsein wirklich führen.

Menschen als Menschen wahrnehmen

Bewusstsein bedeutet für mich die Wahrnehmung zu haben, dass ein jeder Mensch ein Individuum ist. Jeder Mensch ist anders. Und das ist gut so.

Bewusstsein zu führen bedeutet auch zu spüren welche Emotionen gerade in einem Team vorhanden sind. Wo steht das Team und jeder einzelne?

Bewusstsein zu führen bedeutet sich damit auseinander zusetzen wie die Emotion in jedem einzelnen und in den Team als Ganzes ist.

Es geht darum sich mit Sorgen und Nöten auseinander zusetzen, genauso wie es bedeutet sich mit der Freude, den Glaubenssätzen und den Wünschen eines jeden Einzelnen zu beschäftigen.

Bewusstsein reflektieren

Die alte Führung war vor allen Dingen zum agieren und handeln aufgerufen.  In der neuen Führung geht es mehr und mehr um die Reflexion.

D.h. es passiert etwas in meinem Team, mit meinen Mitarbeitern und ich bin gefordert erst einmal in mich zu gehen und genau zu hören, was es mit mir macht und was die richtige Antwort sein könnte.

Die Reflexion ist eines der Hauptkennzeichen, wenn ich in einer neuen Führung Bewusstsein wirklich führen will.

Es ist eine Dimension in der ich erst in die Stille gehe, in mich selber herein höher, um dann nach außen zu treten mit meiner Antwort.

Wohl wissend dass diese Antwort nur meine Antwort ist und ich bin dann gefordert genau zu hören, was jeder einzelne in meinem Team dazu denkt.

So werden Reflexion und Zuhören zu den beiden Kernelementen der neuen Führung.

Bewusstsein kennt kein oben oder unten

Die alte Welt in Unternehmen war klar hierarchisch.

Es gab ein Oben und es gibt ein Unten. Und das erste was man lernen musste in der alten Arbeitswelt war,  wer ist über mir und wer ist unter mir.

In der neuen Führungswelt gibt es nach meiner Überzeugung mehr eine Ebenbürdigkeit. Dort steht der Chef eher dienend  hinter mir und stärkt mir den Rücken.

Dies stellt natürlich eine extreme Herausforderung für Führungskräfte dar. Speziell wenn sie ihre bisherige Position und ihren Status daraus gezogen haben, wie viele Mitarbeiter unter ihnen und über ihnen waren.

Diese Klarheit geht in der neuen Organisation mehr und mehr verloren. Wir werden eher spontan für gezielte Projekte Teams zusammengestellt und man begegnet sich auf Augenhöhe.

Das wird Führungskräfte mehr in Frage stellen als alles andere, was wir an Veränderungen in der Vergangenheit hatten.

Bewusstsein steht in keiner Bilanz

Die Schwierigkeit Bewusstsein zu führen ist natürlich, dass sie schwer messbar ist.

Während der Stuhl und der Computer oder der Arbeitstisch in der Bilanz auf der Aktivseite stehen-  so steht der Mitarbeiter momentan eher in einer Gewinn- und Verlustrechnung auf der Kostenseite (was eh schon eine Fehlwahrnehmung ist). Aber für Potentiale gibt es eben keinen Blianzposten.

Noch schwieriger wird es mit dem Bewusstsein. Denn die Emotionen und das Gefühl in einem Unternehmen ist praktisch nicht zu messen. Und doch ist es entscheidender für den Unternehmenserfolg als alles andere. Wie bei einem Eisberg liegt das meiste, was den Erfolg beeinflusst, unter der Oberfläche.

Wie oft haben wir gesehen das Unternehmen eigentlich alles richtig machen und es trotzdem nicht funktioniert. Deshalb müssen wir einen neuen Maßstab entwickeln und auch diesen Dingen gerecht werden.

Das Bewusstsein fragt Warum

Der Verstand in uns fragt sofort: Was habe ich davon? In der alten Führung waren diese Fragen schnell zu beantworten. Ich habe eine Belohnung ausgesetzt. Und ich habe den Mitarbeitern gesagt, was sie dafür tun sollen. Der Verstand war zufrieden. Daraus wurden viele Checklisten entwickelt. Und exakte Verfahrensanweisungen und Prozesse definiert.

Wenn ich jedoch Bewusstsein führen will, muss sich zuerst einmal die Sinnfrage stellen.

Und die Kernfrage allen Sinns ist:

Wozu bin ich hier und warum das alles überhaupt?

Die Frage nach dem Warum ist die Kernfrage der neuen Führung. Wenn es mir nicht gelingt im Rahmen meiner Führung meinen Mitarbeitern einen klaren Sinn zu definieren, wird es mit nicht mehr gelingen Menschen an mich zu binden. Oder gar dass sie mir freiwillig folgen.

Das Gehalt alleine sinkt zunehmend auf der Skala der Motivation.

Geldeinheiten oder Sinneinheiten

Während man früher nur in Geld gemessen hat, bedeutet für mich neue Führung des Bewusstseins, dass ich eine neue Einheit brauche. Und diese ist der Sinn in dem was ich tue. Das ich dem WARUM folge. Wir dürfen lernen, dass es unterhalb der Ebene des Verstandes viele Ebenen gibt - welche wir ganz anschauen sollten.

Für mich ist dies exakt die Herausforderung an neue Führung.

Kern der neuen Führung

Vor allen Dingen sollte neue Führung immer bei sich selbst beginnen. Sich selbst klar darüber zu werden, was man selbst als Mensch ist und wohin man steuern will.

Um erst dann nach dieser Reflexion auf die Mitarbeiter zu zugehen und mit Ihnen gemeinsam auf Augenhöhe die Zukunft zu gestalten und zu entwickeln.

Dies ist die neue Führung in Kurzfassung für mich.

Und das bedeutet für mich das "Bewusstsein führen" und nicht nur den Menschen.

Was bedeutet es für dich?

 

P.S. Den "Geist" von Upstalsboom kann man in meinem Podcast-Gespräch mit Sebastian Schmidt hören:

DER UPSTALSBOOM WEG – BORIS THOMAS IM GESPRÄCH MIT SEBASTIAN SCHMIDT

 

FührungBoris Thomas