Festhängen nach Rückschlägen? – TEIL 2: Illusion der Kontrolle

(Hier ist der erste Teil dieses Beitrages)

Es gibt keine Kontrolle

Oft sagen wir uns bei Rückschlägen im Leben "Immer entscheide ich mich falsch! Das nächste Mal muss ich aber genauer hinschauen!"

Oder "Hätte ich es nur anders gemacht!"

Hier stecken wir aber in einer Illusion fest. Der Illusion das es so etwas wie Kontrolle über den Ausgang einer Entscheidung geben kann.

Leider haben wir ja kein Paralleluniversum, in dem wir eine Alternative testen können - um dann nach einiger Zeit zu schauen, welche meiner Entscheidungen wohl die bessere gewesen wäre.

Und vielleicht würde sich die im Nachhinein vermeintlich "bessere" Wahl - als viel schlimmer heraus stellen. Die Komplexität des Lebens ist für uns kaum zu erfassen.

Alles hängt mit allem zusammen

Die schönste Beschreibung wie komplex alles mit allem verbunden ist - und wir keine Chance haben, es wirklich mit unserem schlichten Verstand zu durchdringen ist diese Szene aus dem Film "Der seltsame Fall des Benjamin Button":

https://www.youtube.com/watch?v=FrUqfAbx1-w

Glauben wir wirklich, dass wir alles in der Hand haben? Das wir ernsthaft das Leben und seinen Ausgang kontrollieren können?

Es ist für mich ein ganz rationaler Schluss und es kann echt entspannend sein, wenn wir einfach mal für uns erkennen, dass wir unser Bestes geben können - und es trotz allem schief gehen kann.

Oder wie es mir mal ein Zen-Meister auf einem Workshop sagte:

"Ob das nächste Leben oder der nächsten Morgen zuerst kommt - wir wissen es nicht."

Hingabe

Wenn wir das verstanden und akzeptiert haben, könne wir uns hingeben dem was wir tun können – ganz ohne Erwartung. Und ohne Schuld und Stress. Welch Freude, wenn sich das Leben entfaltet. Und wenn es "schief" geht - so können wir gelassen drauf schauen und uns fragen: Wie geht es jetzt weiter? Was ist der nächste Schritt?

Der Tanz des Lebens ist komplizierter als nur Schwarz und Weiß! Oft zeigen sich Niederlagen am Ende im Rückblick als ein großes Geschenk.

Ich habe kürzlich das neue Buch von Tim Ferris gelesen - Tools der Mentoren gelesen. Und die erste Frage, welche er seinen Interviewgästen in dem Buch stellt ist, die Frage nach den größten Niederlagen. Und praktisch alle Menschen, die er dort befragt in dem Buch, sagen: Nun es war zwar ein großer Rückschlag - aber am Ende war es ein großes Geschenk für mich und hat mich weiter gebracht als alle erhofften Gewinne überhaupt.

Sich dem Hinzugeben ist sicher keine leichte Aufgabe - aber es lohnt. Denn es nimmt uns viel Last von unseren Schultern. Und befreit uns von dem Wahn, dass wir immer alles richtig zu machen haben.

Einfrieren

Für mich ist die Angst die Kontrolle zu verlieren, der Hauptgrund, dass wir einfrieren im Leben. Und festhängen.

Wir wollen keine Beziehung eingehen, aus Angst es könnte es etwas passieren, was uns schmerzt. Wir gehen kein neues Projekt an - aus Angst, wir könnten scheitern. Wir machen keine verrückten Dinge, aus Angst, unsere Freunde könnten uns verlassen.

Wie ein Reh im Scheinwerferlicht bleiben wir stehen und bewegen uns nicht von der Stelle. Wo uns ein kleine Sprung zur Seite wieder in Bewegung bringen kann.

Unter Kontrolle liegt Angst

Jede Kontrolle hat einen Kern. Und der ist diese Angst. Angst vor Schmerz und Niederlage. Das Problem ist, dass wir mit der Kontrolle genau das magisch anziehen, was wir vermeiden wollen.

Und am schlimmsten: Wir vermeiden das Leben selbst. Und das sollte uns mehr Angst machen als die Niederlage.

Einer meiner Lehrer hat mal gesagt: "Kontrolle ist der schlimmste Troll von allen".

Kontrollsucht

Die Angst die Kontrolle zu verlieren ist eine der stärksten menschliche Motivationen. Vielleicht sogar die Stärkste.

Wir tun alles um diese Angst nicht fühlen zu müssen. Rennen vor Beziehungen davon. Trauen uns nicht spannende Projekte anzugehen.

Hilfe - ich will nicht die Kontrolle verlieren. Lieber mache erstmal nichts - als ein Risiko einzugehen.

Dabei ist Kontrolle über den Ausgang einer Sache in diesem Leben eine perfekte Illusion.

Mut ist nicht unser Problem

Nicht der mangelnde Mut hält uns zurück – es ist alleine die Angst die Kontrolle zu verlieren.

Oft sind wir so mutig. Wollen es so gerne. Aber die Angst lähmt uns erneut.

Ein vertrackter Teufelskreis. Denn die Angst zieht eben magisch exakt das an, was wir eigentlich zu verhindern versuchen.

3 konkrete Maßnahmen gegen unseren Kontrollwahn:

Hier mal drei Gedanken gegen die Lähmung nach einer  Niederlage und wir mal wieder im Kontrollwahn feststecken:

  1. Los lassen

Die schwerste und einfachste Therapie für so ziemlich alles. Eigentlich ist es einfach zu akzeptieren, dass die Vergangenheit nicht mehr da ist und zu entscheiden, dass die Zukunft noch kommt. Und das Jetzt nur Jetzt ist.

Alles andere sind Geschichten, welche wir uns selbst immer wieder gerne erzählen. Was wir gerne gehabt hätten, wie es hätte sein sollen, was andere Menschen falsch gemacht haben, etc.

Aber diese Geschichten erschaffen in uns Angst und Misstrauen. Und halten uns gefangen und gelähmt. Am Ende ist es nur die Entscheidung: Ich will mein Leben leben - und dazu gebe ich diese ganzen Geschichten auf. Der Preis dieser "Stories" ist einfach zu hoch.

  1. Keine Erwartungen

Die wohl schlimmste Falle sind immer wieder unsere Erwartungen. Was soll der andere tun? Was soll raus kommen? Das muss schief gehen - immer wieder.

Besser ist es, sein Bestes zu geben und zu schauen was passiert. Wenn ich mit mir im Reinen bin - und nur von mir selbst abhängig bin - kann die Welt machen was sie will. Ich werde nicht an ihr kleben bleiben.

  1. Vertrauen in das Leben

Dies ist wohl der schwerste Schritt. Zu sehen, dass wir dem Leben vertrauen können. Und wir nicht wissen wie es sich entfalten wird. Oft sehen Dinge in der Gegenwart schlimm aus - aber wenn wir 10 Jahre weiter sind und zurück schauen: Wie würden wir dann darauf schauen?

Dem Leben in die Augen schauen

Am Ende brauchen wir unseren Mut, dem Leben direkt in die Augen zu schauen. Das Leben was jetzt ist - anstatt dem "Leben" welches sich in unseren Geschichten von Gestern - abspielt. Dieses "Leben" existiert nicht mehr.

Wenn wir festhängen in Rückschlägen so müssen wir uns neu entscheiden: Wollen wir Vertrauen oder Kontrolle? Wollen wir das Leben leben - oder uns 1000 Geschichten ausdenken, warum wir es nicht leben können?

Mögen wir weise entscheiden!

 

 

FührungBoris Thomas