"Die Jugend von heute!" Ändert sich wirklich soviel wie wir glauben? Eine kleine Reise durch die Geschichte der Jugend!

"Die Jugend von heuteliebt den Luxus. Sie hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widerspricht ihren Eltern, legt die Beine übereinander und tyrannisiert ihre Lehrer."

Sokrates (470 - 399 v. Chr.)

Kommt einem das nicht bekannt vor?

Machen wir mal eine kleine Zeitreise. Wie haben Menschen über die Jahrhunderte die Jugend gesehen? Hier ein kleine Auswahl:

„Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte“ (ca. 3000 v. Chr., Tontafel der Sumerer).

„Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe“ ( Chaldäa, um 2000 v. Chr.)

„Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten“ (ca. 1000 v. Chr., Babylonische Tontafel).

„Die Schüler achten Lehrer und Erzieher gering. Überhaupt, die Jüngeren stellen sich den Älteren gleich und treten gegen sie auf, in Wort und Tat“ (Platon, 427-347 v. Chr.)

„Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen“ (Aristoteles, 384-322 v. Chr.)

„Die Welt macht schlimme Zeiten durch. Die jungen Leute von heute denken an nichts anderes als an sich selbst. Sie haben keine Ehrfurcht vor ihren Eltern oder dem Alter. Sie sind ungeduldig und unbeherrscht. Sie reden so, als wüssten sie alles, und was wir für weise halten, empfinden sie als Torheit. Und was die Mädchen betrifft, sie sind unbescheiden und unweiblich in ihrer Ausdrucksweise, ihrem Benehmen und ihrer Kleidung“ (Mönch Peter, 1274)

„Der grenzenlose Mutwille der Jugend ist ein Zeichen, daß der Weltuntergang nah bevorsteht“ (Melanchton, um 1530)

„Das Sittenverderben unserer heutigen Jugend ist so groß, dass ich es unmöglich länger bei derselben aushalten kann. Ja, oft geschieht es, dass die nicht in Schranken gehaltene oder nicht gebührend ausgetriebene Zuchtlosigkeit eines einzigen Jünglings von ungesunder Triebkraft und verdorbenen Auswüchsen auch die übrigen noch frischen und gesunden Pflanzen ansteckt“ (ein Schulmeister 18. Jh.)

„Immer wieder wird die Wirksamkeit der Volksschule bei dem zunehmenden Sittenverfall diskutiert oder die immer lauter werdenden Klagen über die zunehmende Rohheit und Verwilderung unserer Jugend, besonders der erwachsenen Dorfjugend, erörtert“ (Allgemeine Schulzeitung, Darmstadt 1826)

„Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß bei der Schuljugend die früher kundgegebene Anständigkeit und das sittliche Benehmen mehr und mehr verschwinde“ (Regierungsbericht, 1852)

„knapp 50 % aller Lehrlinge zeigen mangelhafte oder stark defizitäre Leistungen in der Mathematik“ (DIHK, 1965)

"Zusätzlich bemängeln unsere Gesellschaft und die Wirtschaft eine allgemeine Abnahme von Wert- und Moralvorstellungen, sowie fehlende soziale und personale Kompetenzen" (vgl. DIHK, 2010)

„Fehlende Disziplin, mangelnde Leistungsbereitschaft, geringe Belastbarkeit – die Azubis machen unseren Unternehmen Sorgen“ (DIHK-Chef Hans Heinrich Driftmann 2011)

„Auszubildende – faul, ohne Disziplin, kein Interesse. Jedes zweite Unternehmen klagt über mangelnde Disziplin und Belastbarkeit sowie fehlende Leistungsbereitschaft und Motivation. Jedes dritte bemängelt die Umgangsformen der Bewerber.“ (Die Welt, 21.8.2014 Zitat zur neuen DIHK Umfrage „Ausbildungsfähigkeit“)

Was ist eigentlich wirklich neu?

Man kann es auf einem Klassentreffen schön beobachten. Mit jedem Jahr das wir Älter werden, startet die Diskussion an einem Punkt immer so "Also die Kinder heutzutage... wir waren da noch ganz anders!".

Das Problem ist, dass dies eher etwas mit Lebenserfahrung, Soziologie und wahrscheinlich Hormonen zu tun hat - als mit echten Veränderungen. Diese mag es geben - sind jedoch viel langsamer als wir es glauben.

Das zeigen auch die langfristige Studien wie die legendäre Shell Jugendstudie. Da kann man schön ablesen, dass Modethemen der Zeit hier größeren Einfluss haben, als wirklich echte Veränderungen.

Meine Generation die in den 70er und 80er Jahren großgeworden ist- die Generation "Waldsterben" - hatte das Thema "Untergang der Welt" und es war unsere Chance sich abzunabeln und gegen die "Spießerwelt" zu rebellieren. Das nehmen wir einfach mit uns - wie eine Prägung.

Und die nachfolgenden Generationen haben ihre Themen. Aber das Prinzip bleibt erhalten. Die Alten schauen auf die Jugend mit einer Mischung aus Angst, Wut und Sorge um die Zukunft.

Hormone

Auch unser Hormonsystem spielt uns hier einen Streich. Nie ist unser System so mit Hormonen geflutet wie mit 18 Jahren. Herrlich! Und es verschiebt zum Beispiel unsere Wahrnehmung von Risiko enorm.

Mit den Jahren und sinkenden Hormonspiegeln werden wir deutlich vorsichtiger in unserem Vorgehen. Deshalb werden auch selten Revolutionen von 60 jährigen angezettelt.

Mit zunehmendem Alter schätzen wir verlässliche Rahmenbedingungen und wollen erstmal in Ruhe planen - bevor wir loslegen. Das sieht je Jünger ich bin deutlich anders aus.

Entspannen wir einfach mal

Ich plädiere seit Jahren für deutlich mehr Entspannung. Nein, die Welt wird mit der neuen Generation nicht untergehen. Es ist auch nicht zu befürchten das Moral und Anstand den Bach runtergehen.

Am Ende sind wir Teil eines Tanzes, der seit bestehen der Menschheit getanzt wird zwischen den Generationen (siehe die Zitate oben).

Jede neue Generation sucht einen Weg der Abnabelung. Und des in Fragestellens. Und die älteren Semester wollen Akzeptanz für Erreichtes und haben zum Ende des Lebens immer weniger Lust zu viel in Frage zu stellen. Das ist schon alles.

Und am Ende wird es wie immer sein. Es wird geheiratet und man bekommt Kinder. Man gründet eine Familie. Lernt dass das Leben nicht schwarz und weiß ist - sondern es viele Graustufen gibt. Und irgendwann steht man da - und hat das Gefühl wenn man mit seinen Kindern spricht - seinen eigenen Eltern beim Reden zuzuhören. Die Gründergeneration der Grünen ist deshalb der CDU näher als revolutionären Volksbewegungen irgendwo auf der Welt. Was nicht schlimm ist - sondern nur eine Bestätigung meiner These.

Auch die "heutige Jugend" wird da keine Ausnahme bilden. Und nein, das Internet und Whatsapp oder Snapchat werden die neuen Generationen nicht verblöden lassen. Alles wird wie immer sein. Wie seit vielen Jahrtausenden.

 

 

FührungBoris Thomas