Die Illusion von Wichtigkeit

Von der Illusion der Wichtigkeit

Eine der Kernfragen, mit der wir uns als Menschen immer abquälen, ist die Frage:

„Was ist wichtig?“

Und Menschen können über diese Frage endlos streiten. Was für den einen wichtig ist, erscheint dem anderen komplett unwichtig – und umgekehrt. Wissenschaftlich betrachtet müssen wir jedoch erkennen, dass Wichtigkeit kein absoluter Begriff ist. Es lohnt kaum darüber zu diskutieren. Die Forschung hat in endlosen Untersuchungen und Studien eines mehr als deutlich gezeigt: Wichtig ist das, worauf wir die Aufmerksamkeit lenken! Ich weiß dass uns dies etwas merkwürdig erscheint, aber sowohl unsere eigene Erfahrung als auch spannende Tests, welche man mit Menschen durchgeführt hat, ergeben immer dasselbe Ergebnis. Das, worauf wir unseren Fokus lenken, erscheint uns wichtiger als alles andere.

Bist du glücklich?

Deshalb funktioniert Marktforschung meistens relativ schlecht. Denn die Frage, die ich einem potentiellen Kunden stelle, lenkt seine Aufmerksamkeit so massiv, dass es zu verfälschten Ergebnissen kommt. Menschen beispielsweise zu fragen „Bist du glücklich?“ Und dieselbe Gruppe dann zu fragen „Bist du in deinem Leben unzufrieden?“ kommt zu völlig anderen Ergebnissen. Und man hat den Eindruck es wären zwei völlig unterschiedliche Gruppen befragt worden. Deshalb müssen wir extrem vorsichtig sein wenn angebliche „Studien“ uns erzählen wollen wie es Menschen in einem bestimmten Land oder an einem bestimmten Unternehmen geht. Die Fragestellung lenkt Aufmerksamkeit – und damit Wichtigkeit.„Du bist in deinem Leben bestimmt auch etwas stur, oder?“ Lässt unser Gehirn sofort die Aufmerksamkeit auf alle Momente in unserem Leben lenken, in denen wir tatsächlich stur waren. Unser Eindruck ist dann „Ja, das stimmt!“. Werden wir nach unserem Glück gefragt, so sucht unser Hirn genüsslich nach Glück in unserem Leben. Damit steigt die Quote der glücklichen Menschen.

Medienblase

Das was auf Seite 1 in der Zeitung steht, erscheint unserem Gehirn als sehr wichtig. Nehmen wir so ein Beispiel wie die Vogelgrippe. Sie beherrschte das Denken und Handeln und fühlen von Millionen von Menschen über mehrere Wochen.

Es gab Talkshows, Diskussionen im Internet, auf Facebook und in der Tagesschau. Es wurde diskutiert woran man erkennt wenn man erkrankt, angebliche Experten sagten ihre Meinung und die Politik sah sich genötigt zu handeln.

Im Nachhinein müssen wir erkennen es war nicht so wichtig, wie wir angenommen haben. Aber das was eben unsere Aufmerksamkeit bekommt, wird wichtig.

Diesen Effekt der gelenkten Aufmerksamkeit kann man sehr schön an den Zeitverlauf der Google Suche analysieren. Begriffe und Namen schießen urplötzlich im Bewusstsein der Menschen nach oben, und fallen danach akut wieder in die Bedeutungslosigkeit.

Achtung Manipulation!

Die Aufmerksamkeit von Menschen zu lenken ist hoch manipulativ.

Zauberkünstler wissen dies seit Jahrhunderten. Praktisch alle Zaubertricks basieren auf der gezielten Lenkung oder Umlenkung von Aufmerksamkeit. Wenn ein Zauberer sagt „Und jetzt sehr genau hinschauen!“ kann man sicher sein, dass es eigentlich nichts zu sehen gibt und der Trick schon lange passiert ist.

In der Zauberei nennt man dieses „Misdirection“.

Fokussierung

Interessant ist, dass es unserem Gehirn extrem schwer fällt, von einer Fokussierung auf die nächste zu wechseln. Weil es bedeutet eben auch einen Wechsel der Wichtigkeit zu vollziehen. Deshalb ist Multitasking auch so fatal. Es funktioniert im Gehirn einfach nicht. Multitasking würde ja unterstellen, dass mehrere Dinge gleichzeitig wichtig sind. In unserem Gehirn ist jedoch nur eine Sache wichtig: nämlich die Sache, auf die wir momentan schauen. Im Grunde genommen ist unser Gehirn sehr linear unterwegs. Wenn wir versuchen uns auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren, mag es den Anschein haben, als wenn es funktioniert. In Wirklichkeit muss aber das Gehirn in Millisekunden immer wieder zwischen Wichtigkeit hin und her springen. Dieses kostet Kraft und unsere Ergebnisse werden signifikant schlechter. Auch dieses konnte in zahlreichen Studien festgestellt werden.

Und worauf lenkst du deine Aufmerksamkeit?

Wir können unsere Aufmerksamkeit bewusst einsetzen. Und das worauf wir schauen dem geben wir Wichtigkeit.

„Where focus goes, energy flows!“ Tony Robbins

„Wohin der Fokus geht, dahin fließt die Energie!“ Dies gilt ganz besonders wenn beispielsweise unsere Umgebung unsere Aufmerksamkeit permanent auf Themen wie Krankheit oder Neid ausrichtet. Daneben fließt unsere Energie in diese Richtung.

Und gerade als Führungskraft, wenn man für ein Team verantwortlich ist, muss man sehr sorgfältig aufpassen, nicht in diese Falle zu tappen. Denn schnell werden Situationen im Unternehmen dramatisiert und hochgepusht, welche sich bei nüchterner Betrachtung als gar nicht so wichtig herausstellen. Es ist deshalb immer wichtig, den Fokus eines Teams bewusst auf die Vision, die Ziele und die Chancen zu richten. Ein Team zu führen bedeutet, die Aufmerksamkeit des Teams auf das zu lenken, was wirklich wichtig ist. Wer die Aufmerksamkeit eines Teams kontinuierlich auf den Abgrund, die Niederlage und den drohenden Fehlschlag lenkt, sollte sich bewusst sein dass diese Fokussierung auch die Energie genau in diese Richtung lenkt. Und in den Köpfen der Mitarbeiter wird all das plötzlich sehr wichtig.

Und was ist in deinem Leben wichtig? Wohin lenkst du deine Aufmerksamkeit? Wohin ist die Aufmerksamkeit deines Teams gerichtet? Denn wohin wir schauen, innen wie außen, dahin fließt die Energie des Lebens.

FührungBoris Thomas