Die drei einzigen Wege ein Team zu führen - welchen wählst du? (inkl. kurzem Livevortrag von Boris Thomas)

Drei Wege ein Team zu Führen

Wer Teams führen will, hat genau drei Wege, die man wählen kann, zur Auswahl:

  1. Macht
  2. Geld
  3. Vertrauen

Selbstverständlich gibt es Mischformen - aber am Ende sind es diese drei Möglichkeiten, die man frei wählen kann.

Macht

Das ist der "Klassiker". Und zwar ist es ganz einfach:

"Ich stehe in der Hierarchie über Dir. Deshalb habe ich mehr Macht als Du. Und deshalb machst du jetzt was ich dir sagen!" Und Ende der Diskussion.

Dieses Prinzip hat Jahrtausende funktioniert - und ist auch heute immer noch gerne im Einsatz unter Führungskräften.

In Krisensituationen ist dieses Vorgehen schnell und effektiv - und hat eindeutige Vorteile. Das darf man nicht aus den Augen verlieren. Hierarchische Klarheit ist einer der großen Vorteile dieser Struktur.

Problem ist immer, dass es zwei Menschen braucht, welche beide dieses Spiel mitspielen. Sobald der Mitarbeiter eine Alternative hat, wird es das Spielfeld - das Unternehmen - verlassen. Und das Machtspiel ist zu Ende.

Diktatorische Systeme, wie die DDR, welche komplett auf dem Führungsprinzip Macht aufgebaut sind, mussten irgendwann die gesamte Bevölkerung am Verlassen des Spielfeldes hindern - sonst wäre das System DDR schon sehr schnell zu Ende gewesen.

Macht erschafft kein inneres Feuer - maximal funktionierende Systeme. Solange es keine Alternative gibt. Sobald die Autorität schwindet, verpufft die Wirkung dieses Führungsprinzips.

Geld

Dann gibt es Geld. Man kann es auch "Möhre vor der Nase" nennen. Das geht dann so:

"Wenn du jetzt brav das tust was ich sagen - bekommst du später auch eine gute Belohnung!"

Promotions, Prämien und alles was sonst so dran hängt, gehören in dieses Kästchen.

Auch Parteien versuchen mit diesem Prinzip ganze Gesellschaften zu ver-führen. "Wenn ihr uns wählt - dann bekommt ihr alles umsonst und noch viel mehr!". Dieser Versuchung sind immer wieder Völker erlegen - wie man am unter anderen in Griechenland leider sehen konnte.

Vorteil ist hier ein schnelles und vor allen Dingen unpersönliches System der Führung. Man muss sich nicht um den Einzelnen kümmern - es passt schnell und einfach für alle.

Problem sind hier jedoch drei klare Fallstricke:

  1. Jede Belohnung wird irgendwann zur Gewohnheit und verliert schnell ihren Reiz. Deshalb muss der Reiz immer weiter gesteigert werden.
  2. Jedes Belohnungssystem basiert auf massivem Mißtrauen. Es sagt dem Mitarbeiter: "Ich traue dir nicht zu, dass du von alleine das tust was nötig ist - deshalb muss ich dir oben was drauf legen, damit du es machst!"
  3. je stärker ich einen  äußeren Reiz mache, desto mehr zerstöre ich den natürlichen inneren Antrieb. Das ist inzwischen oft genug untersucht worden. Die äußere Belohnung wird zum Hauptgrund des Handelns.

Schwache Führungskräfte schreien schnell nach "Motivationssystemen". Also einem Anreizsystem, welches Belohnungen verspricht, wenn das richtige und erwünschte Verhalten gezeigt wird.

Schwache politische Führungen versprechen dem Wähler unendliche Belohnungen - aber es wird ihnen niemals gelingen echte Führung aus Kraft und Stärke daraus zu formen. Es sind und bleiben kurzfristige Effekte ohne nachhaltigen Einfluss. Helmut Schmidt wäre immer wieder zum Kanzler gewählt worden - auch ohne wilde Belohnungsversprechungen. Darüber sollte Martin Scholz einmal nachdenken.

Vertrauen

Die Königsklasse der Führung.

Es sagt: " Ich vertraue dir und deinen Fähigkeiten, dass du deinen Job richtig und mit vollem Einsatz gestaltest und erledigst! Danke, dass Du an Bord bist. Ich werde dafür sorgen, dass die Bedingungen für dein Handel möglichst optimal sind. Hab Spaß an deiner Aufgabe!"

Vertrauen sollten man niemals mit Naivität verwechseln. Naivität ist Dummheit und Schwäche. Naiv ist es, nicht schauen zu wollen. Nach dem Motto: "Lala.. alles wird gut... lalala!"

Vertrauen ist eine kraftvolle Entscheidung. Nur starke Führungskräfte sind dazu in der Lage. Denn dazu bedarf es vor allen Dingen Selbst-Vertrauen.

Vertrauen ist die Entscheidung, wie ich auf Menschen schaue. Und es ist eine Entscheidung, die ich fällen kann - ganz unabhängig von äußeren Einflüssen.

Oft geben wir uns der Illusion hin, dass andere Menschen sich unser Vertrauen "verdienen" müssten. Aber nur weil jemand 20 Jahre sich rechtschaffen verhält heisst es nicht, dass im 21. Jahr es auch so sein muss. Deshalb ist Vertrauen in die Menschen in meinem Team immer eine klare Entscheidung, die wir jeden Tag fällen können.

Der große Vorteil von Vertrauen ist, dass es Prozesse unendlich beschleunigt und Systeme vereinfacht.

Bürokratie und komplizierte Wege basieren immer auf Mißtrauen. Will ich effektive und schnelle Prozesse, muss ich Vertrauen in mein Team bringen.

Zeige mir komplizierte und überbordende Bürokratie - und ich schaue auf Mißtrauen.

Deshalb ist die Beschäftigung mit Vertrauen rein betriebswirtschaftlich von großer Bedeutung für die Führung eines Unternehmens.

Alles hat seinen Preis!

Gibt eine ideale Form? Eine die besser oder schlechter ist? Nein. Eindeutig nicht. In bestimmten Situationen ist mal der eine Weg besser und effektiver und mal der andere.

Zunächst einmal sollte sich eine Führungskraft bewusst darüber sein, dass es diese möglichen Wege gibt um ein Team zu führen. Und bewusst entscheiden, welcher Weg der passende ist - für sich selbst und für die gegebenen Umstände.

Geänderte Spielbedingungen - Demografie und Fachkräftemangel

Das was sich aber radikal geändert hat, ist das Umfeld in unserer Gesellschaft.

Wir haben praktisch Vollbeschäftigung. Und damit sinkt der Einfluss von Führung massiv. Die Abhängigkeit der Beschäftigten vom Unternehmen geht ebenso zurück. Und das hat fatale Einflüsse auf die Führung.

Geschwindigkeit und komplexe Prozesse

Parallel werden durch die Digitalisierung alle Prozesse in einem Unternehmen extrem beschleunigt. Kunden haben keine Geduld mehr. Lieferzeiten sinken. Und die Anforderungen an Serviceleistungen steigen immer weiter.

In diesem Umfeld versagen Macht und Geld komplett. Sie schaffen keine Mitarbeiter mit innerem Feuer. Sie setzen falsche Anreize. Und lähmen die Organisation.

Das Feuer entfachen und Vertrauen

Nach meiner Erfahrung muss Führung sich heute völlig neu orientieren. Mitarbeiter haben die freie Wahl wo sie arbeiten wollen.

Und Kunden auf der anderen Seite stellen fast unerfüllbare Forderungen an die Unternehmen.

In diesem Konflikt kann Führung nur eines tun:

Das innere Feuer entfachen. Die Leidenschaft für die Aufgabe. Ohne diese durch Manipulation mit äußeren Reizen im Keim zu ersticken.

Und dem einzelnen Vertrauen schenken, dass er den Job machen kann und will.

Führung muss Menschen neu einladen, sich zu entfalten. Nicht jeder wird diese Einladung annehmen. Aber es gibt keine Alternative, um das Überleben des Unternehmens zu sichern.

Geschwindigkeit ohne Reibungsverluste heisst Vertrauen schenken.

Sind wir bereit unsere Angst zu überwinden und diesen Weg zu beschreiten?

Oder verfallen wir in alte Kontrollstrukturen und wundern uns, dass alles schwer und langsam und uneffektiv wird?

Die Wahl liegt bei uns!

 

P.S. Hier ein kleiner Ausschnitt aus einem Livevortrag, welchen ich vor einiger Zeit in Hannover gehalten habe:

 

 

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FührungBoris Thomas