Das Leben hat viele Graustufen - und ist nicht immer "Instagram-Schön"!

Egofalle Instagram

Fassen wir mal zusammen wie das "Leben" in Instagram aussieht:

  • alle sind erfolgreich und verdienen richtig fett und vor allen Dingen mühelos Geld mit kaum Arbeit (alle außer mir)
  • alle sehe Top aus, haben 6 Packs und fette Muskeln und räkeln ihre durchtrainierten Körper in der Sonne (alle außer mir)
  • alle tummeln sich den ganzen Tag an den tollsten Stränden der Welt (alle außer mir)
  • alle sind immer gut drauf, lächeln in die Kamera und sind immer im "peak state" (alle außer mir)
  • alle starten den Tag mit einem grünen Smoothie, ernähren sich low-carb und natürlich nur gesunden Salat rund um die Uhr (alle außer mir)

Wem ist das nicht auch schon so gegangen?

Neulich saß ich an einem Sonntag in meinem Büro. Draußen "platterte" der norddeutsche Regen ans Fenster. Alles war grau in grau. Ein typischer Dezembertag in Bremervörde. Ich musste dazu noch ein paar sehr schwierige Mails beantworten. In ein paar Projekten war der Wurm drin und sie hakten komplett. Und ich fragte mich "Was mache ich nur falsch? Warum liege ich nicht mit einem strahlenden Siegerlächeln am Strand der Bahamas? Sondern sitze an einem Sonntag bei Regen an meinem Schreibtisch in Bremervörde?"

Das Leben besteht aus vielen Graustufen - in Instagram ist alles immer schön

Unser Leben ist nicht so einfach nur schwarz oder weiß. Es hat unendlich viele Graustufen. Und eben auch Untiefen.

Auf Instagram ist eben nur der Höhenflug zu sehen. Quais eine komplette "Fakenews".

Lasst uns mal eine Rechnung anstellen:

Auf Facebook habe ich rund 1100 "Freunde". Nun weiß man das jeden Tag etwa 5% der deutschen Bevölkerung sich im Urlaub befinden über das Jahr gerechnet. D.h. 55 meiner Facebook-Bekannten sind jetzt gerade im Urlaub. Und posten was das Smartphone hergibt.

Die anderen 1145 Leute arbeiten brav vor sich hin und schicken höchstens mal ein Essensfoto ins weltweite Netz.

Weiter können wir davon ausgehen, dass wenn im Durchschnitt 5-6% der Menschen depressiv sind. Das sind also weitere 60 Facebook-Freunde von mir, die wohl kaum etwas posten werden. Wie auch? Mit dem Hashtag #bindepressiv?

Wenn wir weiter mal annehmen, dass 6% der Bevölkerung an jedem Tag krankgeschrieben sind - dann fallen weitere 60 Personen raus.

Und so weiter.

Wenn wir durch unsere Timeline scrollen - dann sehen wir immer nur einen kleinen Ausschnitt des Lebens. Geben uns aber der Illusion hin: Dies ist das wahre Leben! Dabei ist es eher wie ein Hollywoodfilm - den nehmen wir auch nicht für echt. Und wenn Bruce Willis es lebend aus einem explodierenden Hochhaus schafft - sollten wir selbst es lieber nicht versuchen. Im echten, richtigen Leben.

Wachstum entsteht in den Krisen

Wenn wir ehrlich zurück blicken, so erkennen wir schnell:

Wo wären wir ohne unsere Brüche, Niederlagen und Krisen gelandet im Leben?

Haben uns unsere Erfolge zu dem Menschen gemacht - oder ist nicht viel mehr der Fehler und das Versagen der Moment an dem wir mehr lernen durften als je zuvor?

Krisen sind ideale Lernchancen. Aber eben nur Chancen. Wir müssen nicht, wenn wir nicht wollen.

Angst

Ja, es stimmt. Krisen sind nicht lustig. Das tut echt weh.

Momentan laufen ein paar meiner Projekte hier wahrlich komplett neben der Spur und halten sich nicht an unsere Pläne. Ist das lustig? Nein! Macht das Spaß? Auch nicht wirklich! Habe ich Selbstzweifel? Ja und jeden Tag!

Und natürlich macht uns der Konflikt Angst. Der Moment, wenn eine Beziehung in die Krise rutscht. Der Augenblick, wenn wir unser Scheitern direkt erkennen müssen.

Denn wir wissen eben auch: jetzt wird es ungemütlich! "Schatz, wir müssen reden" ist wahrlich der Satz, wo zumindestens in meinem Männerhirn alles auf Alarm schaltet.

Das Leben als Ganzes feiern

Gerade das Internet spiegelt uns eine "Fake-Welt" vor. Alle sind erfolgreich, arbeiten an coolen Orten und wer das nicht schafft, ist ein Vollidiot.

"Du bist nicht glücklich und fröhlich? Hey, muss du nur wollen  - dann geht es schon!"

Das Leben ist eben nicht nur schwarz oder weiß. Es besteht aus unendlichen Grautönen, Tiefen und Höhen. Menschen sind ja auch nicht nur böse oder gut.

Wir werden nicht eine Krise verhindern können. Sie kommen über uns. Unerwartet und ungeplant.

Wir können nur lernen damit umzugehen. Und immer wieder neu drauf zu schauen.

Aber es würde helfen wenn wir alle aufhören, diesen wichtigen Aspekt des echten Lebens zu leugnen. Soziale Netzwerke sind zu echten Ego-Maschinen geworden. Das hilft niemanden.

Klar, kann man auch in der Krise echt Spaß haben - und das haben wir auch. Aber es tut eben auch weh. Das auszuhalten, stehen zu bleiben ohne zurück zu weichen und dem Tiger ins Auge zuschauen - das ist der beste Weg schnell durch eine Krise hindurch zu kommen.

Auf zum richtigen Leben - jenseits von Instagram und Facebook!

 

FührungBoris Thomas