Achtung Transformation! Gedanken über Krisen und was uns Menschen nach vorne bewegt!

"Transformation ist nichts für Weicheier!"

Diesen Satz habe ich mal in einer Präsentation vor einigen Jahren fallen gelassen und wurde inzwischen in meinem Team zu einem geflügelten Wort. Speziell in letzter Zeit, wo alles in unserem Markt auf dem Prüfstand steht.

Und da ich kürzlich in Wien erneut mit der Nase auf "Transformation" gestoßen wurde - ist es wohl mal Zeit diesem seltsamen Wort etwas näher auf den Grund zu gehen.

Wir reden schnell von den irren Chancen der Transformation und wie toll es ist, dass alles im Fluss ist. "Leben ist eben Veränderung!" sagt sich so leicht - aber wenn uns selbst betrifft und unser Leben durcheinander gewirbelt wird und alles was sicher war ist plötzlich unsicher ist - dann finden wir Veränderung echt unpassend. Wenn wir ehrlich sind.

Was ist eigentlich Transformation?

Der Ursprung dieses Wortes liegt im Lateinischen. "transformatio" von "transformare" für "Umformen".

Laut Duden ist "Transformation" eine deutliche Veränderung einer grundlegenden Eigenschaft, zum Beispiel der Form.

Wenn wir uns das anschauen, so ergibt sich bei der Transformation immer, dass es einen Zustand vorher gab - welcher in etwas Neues überführt wird.

Und genau damit kommen wir an den Kern dessen, warum wir als Menschen einen Dauerkampf mit der Transformation in unseren Leben führen.

Problemfall Transformation

Wenn uns das Leben sagt "Hey, Zeit für Veränderung!" - dann schaue wir zurück auf das was wir los lassen müssen. Unser Hirn schlägt Alarm, weil es alte gewohnte Sicherheiten verliert.

Zwischen der Sehnsucht nach dem aufregenden Neuen und der Sorge etwas zu "verlieren" spaltet sich unser Bewusstsein. Und im Zweifelsfall erstarren wir an diesem Punkt. Halten die Luft an und hoffe das es irgendwie an uns vorbei gehen möge.

Unbelastet vom Alten

Das einfachste ist immer noch, wenn es kein "Altes" gibt, keine Vergangenheit, keine Muster. Ein Startup zu gründen ist super einfach. Man muss auf nichts Rücksicht nehmen. Kann alles neu lernen und definieren.

Eine One-night-stand ist einfach - eine langfristige Beziehung immer wieder neu zu erfinden und mit neuem Leben einzuhauen, ist eher eine Meisterprüfung.

Einen vorhandenen Markt mit gelernten Strukturen in eine neue Zeit der Digitalisierung zu überführen - ist eben nichts für Amateure.

Der Tritt in den Hintern vom Leben

Warum transformieren wir uns und unser Leben überhaupt  - wenn es uns doch so quält?

Ich kenne kaum eine echte Transformation bei man ohne Not voller Begeisterung in etwas Neues rennt.

Die meisten - wenn nicht alle - Transformationen entstehen aus einer Krise. Das Leben macht es uns unmöglich noch länger im Alten stehen zu bleiben. Es tritt uns in den Hintern, zwickt uns und macht uns die Hölle heiß.

Bei einem Ehetherapeuten ist noch nie ein Paar angekommen und hat gesagt: "Hey, unsere Beziehung ist Burner! Hammer wie sehr wir uns lieben und die Zeit zusammen genießen! Aber wir haben uns gefragt, ob da noch mehr geht. Deshalb sind wir hier!"

Für mich verändert das den Blick auf die "Krise", egal ob groß oder klein, völlig. Und mir wird immer bewusster, dass wir die Krise brauchen, damit überhaupt neues Lernen stattfinden kann.

Es ist ein Geschenk des Lebens uns auf die Sprünge zu helfen. Damit wir nicht einschlafen und Neues wagen. Freiwillig machen wir uns nicht auf den Weg - auch wenn wir uns immer gerne als so offene, mutige und neugierige Menschen darstellen.

In Wahrheit mögen wir echt gerne Neues - solange es sich in unserer Komfortzone bewegt und wir es im Griff haben.

Raus aus der Komfortzone - ohne zu erstarren

Die Krise und die Transformation bringen uns aus unseren gewohnten Bahnen. Hinaus aus der Komfortzone. Und hinein ins Ungewisse.

Ich habe dabei oft erlebt, dass dieser Prozess schnell zu Erstarrung führt. Wir die Atmung einstellen. Und irgendwie die Augen verschließen. Da rammen wir unsere Hacken in den Sand wie ein störrischer Esel und hoffen dass gleich jemand kommt und sagt: "Keine Sorge - alles bleibt wie es ist". Und ich selbst bin da echt der perfekte Musterfall.

Und so träumen wir vor uns hin und hoffen und beten dass alles nur ein böser Traum ist:

  • Die Kunden kommen zurück in den Handel wie früher - ohne ihr Handy zu zücken und noch im Laden die Preise zu vergleichen. Und Amazon ist nur eine Fakenews.
  • Unser Partner schmiegt sich an uns wie in alten Zeiten und schnurrt "Ja, Schatz - du bist der Beste!"
  • Über Nacht verschwindet unsere Wampe und ein strahlender Arzt präsentiert uns unsere Blutwerte mit den Worte: "Sie sind fitter als jeder 18. Jährige!

Nur leider alles nette Träume. Die Wahrheit ist, dass wir es immer schlimmer machen, je länger wir erstarren und hoffe, dass es auch so besser wird.

Im Grunde ist es einfach. Das Leben zeigt uns mit einer Krise, dass es Zeit ist etwas neues zu erlernen - und ganz geduldig bekommen wir diese Krise immer und immer wieder in größerer Dosis um die Ohren gehauen - bis wir irgendwann sagen: "OK, jaaaa - ich habe es ja verstanden - was ist zu tun? Wohin geht die Reise? Genug ist genug!"

3 Tipps aus der Praxis

Phasen der Transformation erfordern deshalb alles von der Führung. Und von jedem einzelnen.

Ich habe mir die Transformationen der letzten Jahre sehr genau anzuschauen. Bei mit in meinem Leben und in meinem Team.

Und es gibt drei Dinge, die nach meiner Erfahrung hilfreich sind, um sicher und gut und ohne Erstarrung durch diese Krisen zu kommen:

Wahrheit

Wenn das Glas halbleer ist - so sollte man das auch so sehen. Wenn etwas nicht mehr läuft - dann sollte man es auch so benennen. Ja, die Wahrheit ist oft kein gern gesehener Gast. Aber nichts beschleunigt die Transformation mehr als ehrliches Feststellen der Wahrheit. "The truth will set you free" wie es Tony Robbins immer wieder so schön sagt.

Bewusstheit

Nehme bewusst wahr, dass es eine Krise gibt und Dinge sich verändern werden. Bewusst heisst für mich, dass es hier keine Wertung gibt. Ob wir wie ein Rumpelstilzchen um das Feuer tanzen - das Problem wird sich nicht ändern. Bewusst schauen, atmen und entscheiden was zu tun ist.

Hingabe

In Phasen der Transformation braucht es viel Vertrauen an das Leben und das sich alles richten wird. Geben wir uns also dem Prozess hin und der Weisheit, dass alles seinen Platz finden wird. Auch wenn es uns schwer fällt.

Transformation ist eben nichts für Weicheier! Es fordert uns komplett. Dafür erwartet uns immer ein Geschenk an Ende des Prozesses. Denn wie hat es mal ein Lehrer von mir über Transformationen gesagt: "The new is always better!". Mit einer bewussten Transformation haben wir stehst die Chance auf etwas besseres und schöneres. Und ich finde dafür lohnt es sich, den neuen Weg zu gehen.

FührungBoris Thomas