Konzepte und das Leben

Was ich momentan in zahlreichen Gesprächen und auch in den Nachrichten sowie erst recht in den Diskussionen auf den sozialen Netzwerken erlebe , ist eine wahre Schlacht um das „richtige“ Konzept.

„Das ist eine neoliberale Idee!“

„Purer Sozialismus!“

„Dies ist ein nachhaltiges Unternehmen!“

 „Faschist!“

Oder auch in der spirituellen (und oft sehr unbewussten) Szene:

„Nach welcher Meditationsform meditierst du?“

„Ist dies eher Ashtanga-Yoga oder Hatha-Yoga?“

Ich könnte diese Liste der Konzepte endlos fortsetzen. Und je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir auf solche Fragen Antworten zu finden. Neoliberal, nachhaltig, ökologisch richtig, kapitalistisch oder sozialistisch, usw. Puh, extrem anstregend, dieser Weg der Wahrheitsfindung.

 

In allen Szenen die ich Kennenlernen durfte, sowohl in der politischen linken als auch in der politischen rechten Ecke, finde ich eine zunehmende Tendenz, diese Konzepte wie ein Schutzschild vor sich her zu tragen.

Da werden unbequeme Ideen die nicht das eigene Konzept passen, sehr schnell mit einem Begriff gebrandmarkt und man müsste sich ja dann nicht mehr damit auseinandersetzen. Und dort stehen Menschen aus dem linken Spektrum den Menschen auf dem rechten Spektrum kaum nach, nach meiner persönlichen Beobachtung.

Für mich bilden Konzepte manchmal eine hilfreiche Krücke unserem Denken zu helfen halbwegs Ordnung zu schaffen in dem Chaos der Welt.

Sehr oft jedoch mutieren diese fixen Ideen und Kategorisierungen zu einer Mauer die uns von Wahrheit und Liebe trennt.

Oder wer hat nicht schon mal nach dem idealen Konzept einer Beziehung gesucht? Anstatt einfach mal die Beziehungen im Leben zu nehmen und zu leben.

Statt uns also immer wieder zu Fragen ob eine neue Idee, eine neue Situation oder eine neue Fragestellung einem bestimmten Konzept entspricht oder nicht, sollten wir eher versuchen uns immer wieder neu zu fragen:

„In diesem Moment, ohne Vergangenheit und ohne Zukunft, was fühlt sich jetzt als die Wahrheit an?“

Dies bedeutet natürlich dann manchmal auch, Entscheidungen und Ideen zuzulassen, die nicht in unser persönliches Konzept passen.

Ich habe zu diesem Thema in meinem tollen Interview mit Kerstin Scherer genau dieses Thema diskutiert. Hier einmal ein kurzer Ausschnitt aus diesem Gespräch zum Thema Konzept und Leben:

Boris Thomas