Hallo Dunkelheit, mein alter Freund...

nick-schumacher-97610-unsplash.jpg

Hallo Dunkelheit, mein alter Freund…

Krise ist auch nur ein Mensch!

Ich habe in den letzten Tagen das letzte Buch von Marianne Williamson „Du bist stärker als dein Schmerz“ in der deutschen Übersetzung gelesen. Ich hatte es bereits im englischen Original vor einiger Zeit durchgearbeitet und jetzt wieder neu entdecken dürfen.

Gleich im ersten Kapitel erinnert Marianne Williamson an den wundervollen, alten Song von Simon & GarfunkelSound of Silence”.

Welcher mit der Zeile beginnt „Hallo Dunkelheit, mein alter Freund“:

Hello darkness, my old friend

I've come to talk with you again

Because a vision softly creeping

Left its seeds while I was sleeping

And the vision that was planted in my brain

Still remains

Within the sound of silence

Hallo Dunkelheit, mein alter Freund.

Und Marianne Williamson schreibt dazu:

"…dieser Satz beschreibt eine bestimmte Haltung, die Bereitschaft zu akzeptieren, dass diese Woche oder dieser Monat oder auch dieses Jahr hart sein könnte – aber du weißt, dass du es überstehen wirst. Und in gewisser Weise ist die Person, zu der wir werden, weil wir es durchlebt haben, lebendiger – vielleicht sogar schöner – als die, die wir davor waren." (aus "Du bist stärker als dein Schmerz: Seelische Wunden heilen und inneren Frieden finden" von Marianne Williamson)

Wunderbarer kann man es kaum auf den Punkt bringen.

Und ich glaube genau darum geht es. Dass wir wieder die Bereitschaft erlangen zu akzeptieren, dass das Leben seinen eigenen Plan hat. Und wir gerade jetzt am Beginn eines neuen Jahres uns zwar „einen Wolf“ planen können, und wir dennoch akzeptieren müssen, dass sich unsere Pläne schneller zerschlagen können als wir uns umdrehen können.

Wir sind eine Gesellschaft von Erfolgsjunkies geworden. Es ist ein ewiger Wettstreit entstanden, wer am glücklichsten, erfolgreichsten und gesündesten ist. Wir sind eine Gesellschaft geworden, welche die Krise, den Misserfolg und die Niederlage am liebsten ignorieren würde. Wir können es kaum mehr ertragen Traurigkeit und Frustration auszuhalten.

Kürzlich sagte jemand zu mir nach einem Vortrag: „Wäre es nicht wundervoll, wenn wir unser Leben ohne Krisen leben könnten? Das wäre doch das Paradies!“. Meine Antwort darauf ist sehr klar:

Ein Leben ohne Krisen wäre die Hölle. Denn ein Leben ohne Krisen wäre ein Leben des ewigen Stillstandes, der Stagnation und ohne dass sie jemals eine Chance hätten unsere waren Potenziale je zu erreichen. Und wenn wir ehrlich sind, wenn uns nicht das Leben von Zeit zu Zeit mal mehr oder weniger kräftig schubst, wären wir tatsächlich bereit bis an unsere Grenzen und darüber hinaus zu gehen?

Es ist wahrlich Zeit für einen neuen Blickwinkel auf Krisen. Dass wir Sie akzeptieren lernen als einen wertvollen Bestandteil unseres Lebens, welcher uns unermesslich viel schenken kann. Wir müssen lediglich bereit sein mit offenem Verstand und vollem Bewusstsein auf die Krise zu schauen.

Für mich war dies der wichtigste und zentralste Antrieb mein neues Buch zu schreiben. Es ist kein Anleitungsbuch für den Erfolg und die Vermeidung von Niederlagen. Es ist ein schonungslos ehrliches Buch über das Leben und die dazugehörigen Niederlagen und Rückschläge. Es ist ein Buch in welchem ich in sieben Kapiteln all mein Wissen, welche sich über viele Jahre gewinnen durfte, zusammengefasst habe. Zusätzlich enthält es spannende Perspektiven von elf Interviewpartner, welche das Paket an Wissen und Gedanken abrunden.

Lasst uns also Anfang wieder mehr Ehrlichkeit in unser Leben zu bringen. Instagram und Facebook verführen uns täglich in eine Welt der Illusionen. „Sieben Schritte zum Millionär“ oder „In drei Wochen zum Sixpack“ sind eben kompletter Quatsch. Lasst uns aufhören uns gegenseitig mit einer Illusion zu stressen, welche in keinster Weise mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Die Wahrheit ist, dass es keinen erfolgreichen Menschen gibt, den ich in den letzten Jahren kennen lernen durfte, der nicht durch tiefe Täler und teilweise bittere Krisen gehen musste. Dieses zu leugnen führt nicht zu Erfolg, sondern macht die Niederlage nur noch schmerzhafter.

Krise ist auch nur ein Mensch. Und das ist inzwischen meine tiefste Überzeugung.

Würdest du die Canyons vor den Stürmen schützen, würdest du nie die Schönheit ihrer zerklüfteten Felsen sehen.
— Elisabeth Kübler-Ross