Wir fühlen uns schlecht - weil wir uns schlecht fühlen!

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Wir fühlen uns schlecht, weil wir uns schlecht fühlen!

Der verrückte Teufelskreis der neuen Zeit!

Verrückte neue Zeiten

Wir leben in wahrhaft verrückten Zeiten. Ein jeder ist schön, erfolgreich und geht einer sinnhaften Tätigkeit nach. Und ein jeder kann lernen wie man in sieben Schritten Millionär wird, kann die Checkliste für 100 % Akquiseerfolg direkt im Internet herunterladen und schafft es in sechs Tagen direkt zum Sixpack oder zur Bikinifigur zu gelangen.

Willkommen in der Welt der Illusionen!

Grundsätzlich ist ja nichts damit verkehrt danach zu streben seine Welt und sich selbst darin zu verbessern und ein glückliches Leben zu führen.

Verrückt ist jedoch dass wir zunehmend der Illusion verfallen, wir könnten es schaffen im Leben die Krisen und Fehlschläge zu eliminieren. Sie quasi aus dem Leben heraus zu operieren. Und damit leugnen wir einen wesentlichen Teil unseres Lebens und unserer Lernerfahrung.

Schlimmer noch: das Streben nach durchweg positiven Erfahrungen setzt uns zunehmend unter Leistungsdruck und das schafft so negative Erfahrungen. Damit wird unser tiefes Streben nach dem Besseren und Schöneren ins Gegenteil verkehrt.

Alle anderen schaffen es doch auch!

Und gerade das Internet und die sozialen Medien verstärken diese Illusion in unserem Kopf noch mehr. Überall sehen wir Menschen die es geschafft haben. Die einfach nur den Erfolgsratgeber gelesen, umgesetzt und jetzt erfolgreich einen Cocktail am schönsten Strand der Erde schlürfen können. Und die Botschaft lautet: wenn es bis jetzt noch nicht geschafft hast – bist wohl einfach zu blöd!

Meine Beobachtung in den letzten zwei Jahren ist zunehmend: Die stärker unser Wunsch wird, dass wir uns besser fühlen der so unzufriedener werden wir. Das krampfhafte Vermeiden von Leid scheint mehr und mehr das wirkliche Leiden unserer Zeit zu sein.

Dabei ist der Weg hinaus relativ simpel. Es geht darum anzuerkennen, dass Krise ein wertvoller Bestandteil unseres Weges immer sein wird. Und je mehr wir uns dieser Wahrheit hingeben, desto einfacher und leichter und auch zufriedener wird unser Leben sein.

Der Sinn des Lebens

ich weiß nicht, wie viele Gespräche ich in den letzten Monaten geführt habe mit Menschen, die voller Verzweiflung mir gesagt haben, dass sie immer noch nicht ihr „Warum“ in ihrem Leben gefunden haben. Und auch nicht beantworten können, was der tiefe Sinn ihres Seins wohl ist. Und diese Gespräche waren allesamt nicht glücklich. Es schwang immer ein kleiner Vorwurf mit gegen sich selbst mit, dass man scheinbar als einziger Mensch so blöd ist, immer noch nicht „sein Warum” gefunden zu haben.

Meine These ist: je mehr wir uns in diesen Konzepten von Sinn und Warum verlieren, desto mehr verpassen wir unser eigentliches Leben. Ich glaube, dass wir nie richtig glücklich werden wenn wir uns immer fragen wovon denn unser Glück nun wirklich abhängt.

Und vielleicht ist der größte Sinn unseres Daseins einfach nur der, morgens aufzustehen, schauen was zu tun ist und genau das zu tun. Und wenn es uns gelingt, jeden einzelnen Tag die Menschen denen wir begegnen dürfen glücklich zu machen durch unser sein, ist vielleicht ja schon unser Sinn erfüllt.

Schwächen

Perfektion ist eine der langweiligen und unattraktiven Zustände des menschlichen Seins. Zu seinen Schwächen und Fehlern offen zu stehen, stärkt unser Selbstbewusstsein und macht uns anziehend für andere Menschen.

Mich persönlich langweilen diese endlosen, gefiltert Schönheitsbilder auf Instagram und Co. gewaltig.

Und je mehr wir unsere Schwächen leugnen und wegfiltern, desto stärker werden sie uns Zwicken und Quälen. Denn es gilt immer noch das alte psychologische Gesetz: Wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken - das wird größer und stärker werden.

Probleme

Matthias Horx hatte vor vielen Jahren auf einem Vortrag einmal folgenden schlauen Satz gesagt: „Wir leiden in unserer Gesellschaft unter immer weniger Dingen – unter diesen immer weniger Dingen jedoch immer mehr!“

Und manchmal habe ich den Eindruck, dass das, was wir moderne Menschen ein Problem nennen, eher eine Nebenwirkung ist eines Zustandes, in dem wir praktisch keine realen Probleme mehr haben.

Lernen

Wer lernen will, muss bereit sein das Unbehagen auszuhalten, die Verwirrung zu erleben und manchmal sogar den Schmerz zu spüren, den es bedeutet ein neues Terrain für sich zu erobern.
Es ist immer ungemütlich und für das Gehirn extrem anstrengend gewohnte Bahnen zu verlassen und neue Vernetzungen im Kopf und im Körper zuzulassen.
Und eine Krise ist wahrlich kein Spaß. Das weiß ich nur zu gut aus den letzten zwölf Monaten. Und doch gehört es dazu, diesen Schmerz auszuhalten, hindurch zu gehen, um auf der anderen Seite gestärkt hervor zu treten.

So ist unser Leben nun einmal. Und das ist der Grund, warum ich in meinem neuen Buch immer wieder darauf hinweisen, dass Krise auch nur ein Mensch ist. Es ist ein elementarer Bestandteil unseres Lebens. Das Scheitern zu leugnen oder es krampfhaft zu versuchen zu eliminieren führt am Ende uns nicht zum Glück. Sondern wir landen eher im Gegenteil.

Du willst Glück und Erfolg - dann sei bereit dass es auf dem Weg ab und zu echt ungemütlich wird. Und genieße genau diesen Weg mit all deinem Herzen.

Wir können uns nicht aussuchen welche Lektionen das Leben für uns bereit hält - wohl aber können wir wählen welche Bedeutung wir dem ganzen geben. Das ist unsere Wahl - und das einzige was wir frei wählen dürfen.

Boris Thomas