The Köln Concert - Die Geschichte einer LP!

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The Köln Concert

Gebe immer alles - du weißt nie was heraus kommen wird!

Die Geschichte einer Platte

Januar 1975. Der junge Pianist Keith Jarrett ist für ein Konzert in Köln gebucht. Und die Oper in Köln ist ausverkauft - 1400 Tickets waren an den Mann oder Frau gebracht worden.

Eigentlich hat die Veranstalterin Vera Brandes ein Flugticket für Keith Jarrett aus der Schweiz nach Köln gebucht. Dieser lässt sich jedoch das Geld von dem Flug auszahlen und stattdessen reist er - völlig übermüdet und unausgeschlafen - in einem alten R4 mit dem Auto nach Köln an. Sein Produzent Manfred Eicher bringt den Künstler an dem Morgen nach Köln.

Völlig fertig kommen die beiden an dem Nachmittag in der Domstadt an. Dann kommt es zur nächsten Katastrophe. Die Oper hatte bestätigt, dass sie einen Flügel "Bösendorfer Imperial" für das Konzert bereit haben. Dort angekommen stellt sich jedoch heraus, dass auf der Bühne ein “Bösendorfer-Stutzflügel” steht. Dieser Flügel ist auch noch verstimmt und ein Pedal klemmt.

Keith Jarett geht drei Mal um das Instrument herum und entscheidet: Hier spiele ich nicht! Das Konzert heute Abend findet nicht statt.

Auch sämtliche Versuche der Veranstalterin scheitern noch einen echten Flügel Imperial aufzutreiben. Keith Jarrett steht schon abreise bereit im Hof - als Vera Brandes ihren Mut zusammen nimmt und mit dem Künstler nochmal spricht. Schließlich sagt er tatsächlich zu - und sagt zur ihr: "It’s okay, I play. But never forget: Just for you!" (“Es ist okay! Ich spiele. Aber vergesse niemals: Nur für dich!”)

Und so setzte sich der übellaunige Keith Jarrett an dem Abend in der Oper an den falschen Flügel, verstimmt und mit klemmenden Pedalen - und spielte sein Konzert.

Heimlich und nur für interne Zwecke wurde das Konzert aufgenommen. Später entschied man sich aus diesen Aufnahmen eine LP heraus zu bringen. “The Köln Concert” ging in den Markt.

Und wurde nicht nur Keith Jarretts erfolgreichste LP - es ist bis heute die meistverkaufteste Jazz-Soloplatte und meistverkaufte Klavier-Soloplatte aller Zeiten.

Ich bekomme heute noch Gänsehaut, sobald die ersten Töne dieser Aufnahme aus meinen Boxen erklingen.

Was können wir aus dieser Geschichte lernen?

Gibt dich immer ganz. Was auch immer passiert. Wie doof und unerwartet alles sein mag. Wir wissen nie wofür es gut ist. Und wir kennen nicht den Ausgang.

Du hast eine Veranstaltung beplant mit 100 Teilnehmern - und es kommen nur 20? Dann ziehe es durch.

Oft werden unsere Erwartungen nicht erfüllt - dies sollte uns aber nie daran hindern, alles zu geben was möglich ist.

Und am Ende entsteht an einem verstimmten Flügel mit einem übermüdeten Pianisten die erfolgreichste Scheibe der Jazz-Welt. Wir wissen es nicht. Nur wenn wir immer alles geben, werden wir die Antwort erfahren.

P.S. Das Paket zu meinem Buch “Fang nie an aufzuhören” gibt es weiterhin zum download hier!

Boris Thomas